DRITTE WAHL "Elfentanz und Tortenschlacht" Tour 2017


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Ihr Leute, wie die Zeit vergeht. Kaum passt man mal nicht auf, schon ist man 30 Jahre… Da sollte man vorher nochmal gut feiern. Gesagt, getan – so schickten sich die Nordlichter von „Dritte Wahl“ an, den Hirsch zu besuchen, bevor sie im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Unter dem Motto „Elfentanz und Tortenschlacht“ wird der aktuelle Tonträger „10“, der zufällig auch das zehnte Studioalbum der Rostocker ist, live dargeboten und auf seine Bühnentauglichkeit hin geprüft. Und weil man alleine Angst vor dem 30sten haben könnte, holt man sich mehr oder weniger lokale Verstärkung von den Amberger Jungs von „Special Gue$t“, die ebenfalls reichlich Erfahrung mitbringen. Pünktlich um 20:00 ging es los und die Bühne und der Hirsch wurden wild und wunderbar punkig. Dreckiger und typischer Sound wälzten über die Bühne, Sänger Mich etablierte sich schnell am Mikrofon, wurde teilweise vom Käptn am Bass, Crhis an den Drums gesanglich unterstützt, während Gössi an der Gitarre brillierte und ebenfalls stimmlich unterstützte – guter alter Punkrock stand auf dem Programm, durchsetzt von einem Hauch Rock‘n‘Roll und Ska-Einflüssen. Allesamt sehr tanz- und feierbar, was die Leute vor der Bühne bald auch taten. Da war recht schnell Bewegung im Publikum und es dauerte nicht lange bis zum ersten und anhaltendem Pogo – mal etwas wilder, mal ruhig. Die Stimmung jedenfalls war schnell eine ausgelassene wie man es eben von solch einem Konzert erwartet. Da darf das ein oder andere Bier auch nicht fehlen… Um hier Special Gue$t zu zitieren „punk rock at my heart“. Die Stunde der Vorband verging damit recht schnell und Special Gue$t verabschiedeten sich mit einer feinen Passage auf Gössi‘s Gitarre und anschließendem Lob an das Mischpult. Die feierliche Pflicht einer Vorband war erfüllt – das gut durchmischte Publikum war angeheizt und in Stimmung für Dritte Wahl.


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Dritte Wahl startete gleich mit einem buchstäblichen Knall: direkt zu Beginn regnete es zu „Scotty“ vom neuen Album eine ordentliche Portion Konfetti in die Feiernden. Gunnar, Stefan Jörn und Holger zeigten sich passend im Trekkie Shirt und einem richtig geilen Abend stand nichts mehr im Wege. Es war von Minute eins an deutlich zu spüren, dass sich die Veteranen über nahezu 30 Jahre eine beachtliche Gefolgschaft verdient hatten – ein nicht unerheblicher Teil war anwesend und zelebrierte das Konzert überaus angemessen. Sofort ging es mit „Halt mich fest“ weiter, bevor es mit „Zu wahr um schön zu sein“ eine kurze Verschnaufpause gab. Das treue Publikum zeigte sich selbstredend mehr als textsicher. Was sich bereits zu Beginn des Konzerts andeutete, zog sich komplett hindurch: Klar, es gab neue Lieder vom neuen Album, aber die wurden keinesfalls älteren untergeordnet und so fanden sich auch einige betagtere Perlen wie „Störung“ oder „So wie ihr seid“, dessen Refrain auf etlichen Shirts und durch entsprechend viele Kehlen zu vernehmen war. Textlich ebenfalls gut durchmischt, gelingt Dritte Wahl der Spagat zwischen einen ausgelassenen Konzert und einer nicht zu verkennenden Botschaft für jeden im Raum. Hut ab dafür! Nach der Frage „Wo ist mein Preis?“, testete man das Publikum auf einen Kneipenchor und schunkelte weltverloren zu „Runde um Runde“ im gemütlichen Blau der Bühnenbeleuchtung - Test bestanden! Gunnar zeigte sich insgesamt äußerst spielfreudig, hat Freude an dem, was er macht (zeigt das grinsend) und definitiv Feuer in den Augen, während Stefan an den richtigen Stellen genial stützt – da wird mit Herz gespielt und gesungen, was die Jungs immer wieder sehr authentisch und sympathisch macht. Als würde man einen guten Kumpel zu Hause besuchen… nur eben etwas lauter… und mehr Leuten. Gerade bei Liedern wie dem neuen „Zum Licht empor“, „Auge um Auge“ und „Greif ein“ hängt der alte Geist des Punk im Raum und greift um sich.


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Der Auftritt, der zwar fast 2 Stunden dauert, neigt sich gefühlt wahnsinnig schnell dem Ende und ein jeder der mal auf einem Dritte Wahl Konzert war, weiß, dass die Chancen für „Fliegen“ reichlich gut stehen, dessen Publikumschöre schon fast legendär sind. Stefan „hievt“ sich währenddessen von der Bühne und auf die Absperrung, um sich ins Publikum fallen zu lassen. Von dem wird er einmal quer durch den Raum getragen, während er sichtlich Spaß hat. Ihm folgte der ein oder andere Crowdsurfer. Absolut beeindruckend erwies sich der Refrain, den man wohl nur selten so laut und innig von vor der Bühne vernehmen kann: unglaublich mit welcher Ausdauer und stimmlichen Kraft sich hier regelrecht verausgabt wurde! Selbst nachdem die Instrumente verklangen und man sich mit einer weiteren Konfettibreitseite verabschiedet hatte, hallte der Chor mit Fäusten und Bier in der Luft noch eine ganze Weile nach – Gänsehaut! Das machte hinter der bereits leeren Bühne Eindruck und so kamen die Jungs natürlich wieder zurück – nutzten vorher aber die Zeit, nochmal schnell die Klamotten zu wechseln. Gut, da das Bier und die Stimmung schon oben waren, schlug „der Himmel über uns“ in die richtige Kerbe. Am Ende der Zugabe wurde es zunächst mit „keine Angst“ nochmal energisch, rebellisch und laut, bevor „kein Wort“ ein stimmiges Ende einläutete und Ruhe in den Raum brachte. Die Bühne leerte sich erneut, es blieb ein mehr als zufriedenes und durchgeschwitztes Publikum, das kurzerhand den „Wind of change“ vom Band übernahm, mitpfiff und -sang. Gunnar und Stefan ließen es sich nicht nehmen, nochmal vor zu kommen, um Luftgitarrenkünste zu offenbaren. Das Tüpfelchen auf dem „i“ für einen starken Auftritt, der zu manchem Moment führte, von dem man sich wünscht „Zeit bleib steh‘n“...


Artikel veröffentlicht am 14.12..2017  | Andi Pontanus

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