Kataklysm - 25th Anniversary Tour 2017 -- 15.10.2017 -- Hirsch / Nürnberg


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Es ist Sonntag Abend. Alle bereiten sich darauf vor, dass bald eine neue Woche beginnt. Alle? Nein, ein kleiner, aber feiner Schuppen in Nürnberg ruft zum herrlich todesmetallischen Schlachtfest – und der Ruf ward erhört. Grund war das 25-jährige Bestehen von Kataklysm. Die kanadischen Schwermetaller um den ikonischen Maurizio nehmen das Jubiläum zum Anlass ordentlich zu touren und waren an besagtem Sonntag in fränkischen Landen zu Gange – der gewohnte Abriss im Hirsch lockte die bekutteten schwarzen Horden. Wie das nunmal üblich ist, macht man so eine Jubiläumstour nicht alleine – man feiert sich ja nur schwer selbst. Also holte man sich die tiroler Jungens von Graveworm ins Boot, die immerhin auch schon mehr als 20 Jahre auf dem ungebeugten Buckel haben und fertig ist ein feiner und vielversprechender Abend. Graveworm eröffneten das Ganze auf einer stimmungsvoll schädeldekorierten Bühne. Drummer Martin zeigte sich zuerst dem jubelnden Publikum, gefolgt von seinen Bandkollegen und entfesselte buchstäblich im ersten Song die Legionen. Gutturalkünstler Fiori ließ sich das nicht nehmen und baute stimmlichen Druck auf – guter Einstieg, der sofort zündet! Das wurde konsequent mit „Buried Alive“ fortgesetzt, sodass sich die beiden Gitarren und der Bass auf Betriebstemperaturen spielen konnten.


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Die gewohnten Doublebass-Passagen dürften auch dafür gesorgt haben, dass es am Schlagzeug schnell warm wurde. Fast schon feinfühlig beginnt „The Death Herritage“, fällt dann aber schnell um und wird von Fiori‘s Gesang gänzlich niedergerissen, sodass es dem Zuhörer druckvoll entgegendrescht – Graveworm per excellence! Ebenfalls vom 2015er Album stammend legt man „Bloord, Torture and Death“ nach, damit auch genug Bewegung vor der Bühne bleibt. Das wird mit dem etwas älteren „Demonic Dreams“ (das Fiori herrlich kreischen lässt) und dem himmlischen Niedergang konsequent fortgesetzt. Graveworm kann es also noch, macht nach wie vor Druck, Krach und Spaß und weiß sein Publikum zu animieren. Fast schon könnte man „Hateful Design“ als Evergreen bezeichnen, das das Ende des Auftritts einleitet. Mit nur 8 Liedern fällt Graveworms Bühnenpräsenz leicht kurz aus, allerdings verabschiedet man sich mit einem herrlichen „To the Empire of Madness“. Gut, nun war der Auftritt zwar recht kurz, aber dennoch nicht zu verachten: genialer Sound und hervorragende Stimmung untermalt von einem stimmigen Licht. Aber was will man machen, wenn der Jubilar wartet.


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Der ließ ein kleines bisschen auf sich warten und startete damit verspätet – dem Alter geschuldet? Anscheinend nicht, denn nach der einstimmenden Bandansage von „In Shadows and Dust“ (dem Titeltrack des 2002er Albums, dessen Coverart im Hintergrund prangte) ging es sofort recht brachial und energetisch los und Oli‘s Blastbeats walzten durch das Wildtiergebäude, während der mächtige Maurizio ins Mikro peitschte. Heidewitzka – von wegen alt! Da war eine Energie da, die über die Jahre keineswegs abzuflauen schien, sondern sich eher gegenteilig aufbaute. Allen voran gilt der Respekt wohl Oli am Schlagzeug, der wohl anscheinend einfach eine Maschine ist. Was knüppelt dieser Mann auf sein Instrument ein! Man hatte förmlich Angst, dass er im Laufe des Abends Feuer fängt – unglaubliche Arbeit, die hier abgeleistet wurde. Nun soll das natürlich nicht die Kunst aller anderen Bandmitglieder schmälern, aber auch nicht unbemerkt bleiben. Kataklysm lebt – natürlich neben der Stimme von Maurizio – von mächtigen und vorallem sehr schnellen Drumpassagen, die wirklich minutiös abgeliefert wurden – Chapeu!


Maurizio feierte das Schlagzeug regelmäßig mit seiner Maschinengewehrpose. Der erste Teile der Show stand wie bereits erwähnt unter dem Motto „In Shadows and Dust“. Entsprechend wurde die 2002er Scheibe in korrekter Reihenfolge dargeboten. Eine feine Verbeugung vor der eigenen Bandgeschichte und dem beachtlichen Weg ,den man hier bereits beschritten hat. Da dürfen Highlights wie „Illuminati“ und „Face the Face of War“ nicht fehlen, die die Crowd dankend verschlang und mit reichlich Bewegung vor der Bühne vergalt. Einfach stark, was da vor und auf der Bühne passierte – die Atmosphäre war zum Schneiden dicht! Nachdem „Years of Enlightment“ verklangen war, gewährten die Todesmetaller sich und dem Publikum eine 15 minütige Pause – man solle Bier nachfüllen und sich kurz erholen. Nach der viertel Stunde ließ man den Botschafter des Schmerzes los und läutete damit den zweiten Teil ein. Wer gut aufgepasst hat, weiß also, dass der zweite Teil aus der Playlist der „Serenity of Fire“ besteht – ebenfalls sehr geil und nochmal eine Steigerung für die Drums. Das sägende Intro von „As I Slither“ greift sehr gut und versetzt die Leute wieder ein Bewegung.


Neben kreisenden Köpfen und fliegenden Haaren gab es einen formidablen Circle Pit und weil die Securities im Graben noch nicht viel von ihrem Abend hatten, gestatteten ihnen einige Crowdsurfer den ein oder anderen Besuch ab. Maurizio erklärte, dass man damals zur Konzeption des Albums irgendwie die Idee von Zombies ganz gut fand – die waren da noch nicht so omnipräsent wie heute, wenig besungen und so dachte man, dass es an der Zeit wäre über „face-eating walking corpses“ zu musizieren. Gesagt, getan und schon war „The Night They Returned“ angekündigt und konnte in den Raum gefeuert werden, bevor es mit der „Serenity in Fire“ nochmal übel würde. Kataklysm zeigte sich geständig und offenbarte, dass man noch nie „Ten Seconds From the End“ live gespielt habe, zeigte sich reumütig und pflügte den Song herrlich brachial über die Bühne. Tatsächlich war das Ende nicht mehr fern und es folgten nur noch zwei Tracks: „The Tragedy I Preach“ und abschließend „Under the Bleeding Sun“. Die Rufe nach einer Zugabe blieben unerhört und so blieb ein erschöpftes aber sichtlich zufriedenes Publikum zurück, das den Jubiläumsauftritt als würdig erachtete und nun auf eine glorreiche Zukunft dieser genialen Band hofft. Gerne wieder und auf die nächsten 25 Jahre!


 c) FranconiaMetallum 2017