ABISSI – Paramagia
ARTIST: ABISSI
TITLE: Paramagia
LABEL: Octopus Rising / Argonauta Records
RELEASE DATE: 30. Januar 2026
GENRE: Psychedelic Heavy Rock / Urban Ritual Rock
LOCATION: Mailand, Italien
RUNNING TIME: ca. 26 Minuten
RATING: 8/10
Mit Paramagia erschaffen ABISSI ein Album, das sich wie ein einziger, zusammenhängender Ritus entfaltet. Der Einstieg mit Funerale in Messico setzt sofort den Ton: ein schwerer, tranceartiger Sog, der die psychedelische Seite der Band betont und gleichzeitig die urbane Härte Mailands spürbar macht. Der Übergang zu Pizzo wirkt wie ein plötzlicher Riss im Raum — kurz, scharf, direkt, ein Song, der die Energie der Stadt in zwei Minuten verdichtet und die aggressive Seite des Albums markiert. Mit Le Chiese öffnet sich das Klangbild weiter. Die Band arbeitet hier mit sakralen Spannungen, schwebenden Gitarren und einer Stimme, die zwischen Beschwörung und Beobachtung pendelt. Grabovoi führt diese Atmosphäre fort, aber dunkler, dichter, mit einem Bassfundament, das wie ein unterirdischer Strom wirkt.
Die psychedelischen Elemente werden hier nicht als Ornament eingesetzt, sondern als Mittel, um die Wahrnehmung zu verzerren und den Hörer tiefer in die Welt des Albums zu ziehen. Sequenze wirkt wie ein innerer Knotenpunkt: repetitiv, hypnotisch, fast mechanisch. Der "Song" verbindet die rituelle Seite des Albums mit einer klaren, urbanen Direktheit. Cemento greift diese Stimmung auf, aber schwerer, grauer, mit einer Härte, die an industrielle Räume erinnert. Hier zeigt sich die Fähigkeit der Band, Psychedelic Rock nicht als Flucht, sondern als Konfrontation zu begreifen. Mit Madama Cristina öffnet sich das Album erneut. Der Song bringt eine erzählerische Tiefe, die zwischen italienischer Tradition und moderner Rockästhetik schwebt. Die Melodien sind klarer, aber nicht leichter — eher wie ein Licht, das durch einen dichten Nebel bricht. Den Abschluss bildet 3424, ein Track, der das Album nicht beendet, sondern weiterführt.
Die Spannung löst sich nicht auf, sondern verwandelt sich in einen offenen Raum, der andeutet, wohin ABISSI sich als Nächstes bewegen könnten. Die Produktion bleibt durchgehend organisch und körperlich. Gitarren, Bass und Drums wirken wie aus einem einzigen Raum aufgenommen — warm, roh, unmittelbar. Die italienischen Vocals verstärken die Direktheit und verleihen dem Album eine Identität, die sich nicht in internationale Muster einordnet. Paramagia ist kein nostalgischer Rückgriff auf Psychedelic Rock, sondern ein modernes, urbanes, italienisches Statement.
Fazit: Paramagia ist ein geschlossenes, intensives Album, das ABISSI als eine der markantesten Rockformationen Italiens etabliert. Acht Songs, die nicht auf Gefälligkeit setzen, sondern auf Wirkung — körperlich, visionär, unverwechselbar.
