ABLAZE – Slow Death

 

ARTIST: Ablaze

TITLE: Slow Death (EP)

LABEL: Self‑Released

RELEASE DATE: 6. Februar 2026

GENRE: Post‑Hardcore 

ORIGIN: Portugal

RATING: 8/10


Mit Slow Death veröffentlichen Ablaze ein Debüt, das sich wie ein zufälliger Funken anfühlt, der plötzlich ein ganzes Pulverfass entzündet. Die EP entstand nicht aus Bandambitionen, sondern aus Fragmenten, die während der Pandemie entstanden, jahrelang ruhten und erst durch eine unerwartete Wiederbegegnung ihre endgültige Form fanden. Genau diese Entstehungsgeschichte hört man dem Material an: roh, ungeschönt, emotional aufgeladen und frei von jeder kalkulierten Glättung. Der Opener No setzt sofort den Ton. Der Track ist kurz, kantig und voller Spannung. Die Gitarren wirken wie festgehaltene Atemzüge, die jederzeit explodieren könnten, während die Drums eine physische Direktheit liefern, die man in vielen modernen Produktionen vermisst. André Cardosos Rückkehr ans Mikrofon nach über zehn Jahren ist bemerkenswert: Die Vocals sind rau, verzweifelt und voller Dringlichkeit, ohne je in künstliche Aggression abzurutschen.

 

 Life ist der strukturell stärkste Song der EP. Der Track verbindet chaotische Hardcore‑Elemente mit melodischen Fragmenten, die an frühe Poison the Well erinnern, ohne nostalgisch zu wirken. Die Gitarrenlinien sind klar geführt, aber nie vorhersehbar, und die Drums treiben den Song mit einer Mischung aus Groove und kontrolliertem Chaos voran. Die Vocals wirken hier besonders persönlich – weniger als Performance, mehr als Katharsis. Today ist der emotionalste Moment der EP. Der Song arbeitet mit einer dichten, fast erdrückenden Atmosphäre, die sich langsam aufbaut und dann in einem Ausbruch endet, der an Converge‑artige Intensität erinnert. Die Mischung aus melodischen Gitarren und harschen Vocals funktioniert hervorragend und zeigt, wie gut Ablaze Dynamik einsetzen können, ohne an Härte zu verlieren.

 

Der Abschluss Martyr ist ein 50‑Sekunden‑Schlag ins Gesicht. Chaotisch, kompromisslos, direkt. Der Track wirkt wie ein letzter, unkontrollierter Ausbruch – ein passender Abschluss für eine EP, die aus emotionalem Druck entstanden ist. Die Produktion ist bewusst roh gehalten, aber klar genug, um die Instrumente voneinander abzugrenzen. Die Gitarren sind scharf, der Bass ist präsent, und die Drums haben eine natürliche Wucht. Die Vocals sitzen rau im Mix, ohne überproduziert zu wirken. Für ein Projekt, das ursprünglich nicht einmal als Band gedacht war, klingt Slow Death erstaunlich geschlossen.

 

Fazit: Slow Death ist ein intensives, ehrliches und ungeschöntes Post‑Hardcore‑Statement. Vier Tracks, die zwischen Chaos, Melancholie, Wut und Selbstreflexion pendeln – und genau dadurch funktionieren. Ablaze klingen nicht wie eine Band, die etwas beweisen will, sondern wie eine, die etwas loswerden muss. Ein starkes, kompaktes Debüt, das Fans von Converge, Botch oder frühen Norma Jean sofort abholen dürfte.



24.01.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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