Abstracted - Hiraeth
ARTIST: Abstracted
TITLE: Hiraeth
LABEL: M-Theory Audio
RELEASE DATE: 20. Februar 2026
GENRE: Extreme Progressive Metal
ORIGIN: Brasilien
RATING: 9/10
Mit Hiraeth veröffentlichen Abstracted ein Album, das sich nicht wie ein klassisches Zweitwerk anfühlt, sondern wie ein Befreiungsschlag nach Jahren der Fragmentierung. Die Band hat personelle Wechsel, kreative Pausen und interne Umbrüche hinter sich – und genau diese Zerrissenheit prägt das Album. Hiraeth klingt nicht nach „wir müssen uns neu erfinden“, sondern nach „wir haben endlich wieder etwas zu sagen“. Das Ergebnis ist ein Werk, das technische Härte, emotionale Schwere und atmosphärische Weite zu einem organischen Ganzen verbindet. Der Opener Axis setzt sofort den Rahmen. Neun Minuten, die zwischen kontrolliertem Chaos, melodischen Inseln und jazzigen Zwischentönen pendeln. Die Gitarren arbeiten in Schichten, die Drums sind präzise, aber nie steril, und die Keys schaffen eine Kälte, die dem Track eine bedrückende Tiefe verleiht.
Rosano Matiussis Vocals sind rau, klar und emotional aufgeladen, ohne je in überproduzierte Prog‑Dramatik abzurutschen. Axis ist kein Showcase – es ist eine Standortbestimmung. Languish (feat. Chaney Crabb) ist der direkteste Song des Albums. Der Track verbindet technische Brutalität mit einer emotionalen Wucht, die sofort greift. Die Gastvocals verstärken die Intensität, ohne den Song zu dominieren. Die Struktur bleibt klar, die Dynamik nachvollziehbar, und die Mischung aus Härte und Melodie funktioniert hier besonders gut. Sirens öffnet das Album atmosphärisch. Die Gitarrenlinien sind melodischer, die Keys treten stärker hervor, und der Song wirkt wie ein kurzer Moment des Durchatmens, ohne an Spannung zu verlieren. Abstracted zeigen hier, dass sie nicht nur komplex, sondern auch zugänglich schreiben können.
To Quench This Insatiable Thirst (feat. Igor Bollos) ist der härteste Track des Albums. Die Riffs sind tief, die Drums aggressiv, und die Vocals bewegen sich am Rand des Kontrollverlusts. Trotzdem bleibt der Song strukturiert – ein kontrolliertes Beben, kein chaotischer Ausbruch. Requiem ist der atmosphärischste Moment des Albums. Die Keys stehen im Vordergrund, die Gitarren arbeiten mit langen, melancholischen Linien, und die Vocals wirken verletzlicher. Der Track zeigt die emotionale Seite der Band und bildet einen wichtigen Gegenpol zu den technischeren Stücken. The Barren Grave of God ist düster, schwer und fast rituell. Der Song arbeitet mit tief gestimmten Gitarren, langsamen Rhythmen und einer Atmosphäre, die an moderne Blackened‑Prog‑Acts erinnert.
Abstracted beweisen hier, dass sie nicht nur technisch, sondern auch atmosphärisch auf hohem Niveau agieren. Der Abschluss The Utter End bündelt die Stärken des Albums. Der Track ist episch, melodisch und voller Dynamik. Die Band verbindet hier technische Präzision mit emotionaler Tiefe und schafft ein Finale, das das Album schlüssig abrundet. Die Produktion ist klar, druckvoll und detailreich. Die Gitarren stehen sauber im Raum, der Bass ist präsent, und die Drums wirken organisch. Die Keys sind atmosphärisch eingebettet, ohne den Mix zu überladen. Für ein Album dieser Komplexität ist die Transparenz bemerkenswert.
Fazit:
Hiraeth ist ein starkes, vielschichtiges und emotional aufgeladenes Extreme‑Prog‑Album. Abstracted verbinden technische Virtuosität, atmosphärische Tiefe und melodische Klarheit zu einem Werk, das sowohl analytisch als auch emotional funktioniert. Ein Album, das zeigt, dass die Band nach Jahren der Unruhe nicht nur zurück ist, sondern gewachsen ist. Für Fans von Opeth, Vildhjarta oder BTBAM ein Pflichtrelease – und eines der überzeugendsten Progressive‑Metal‑Alben des frühen Jahres.
