ALARUM - Recontinue
ARTIST: Alarum
TITLE: Recontinue
LABEL: Self‑released
RELEASE DATE: 8. November 2024
GENRE: Progressive Metal / Jazz‑Fusion
LOCATION: Melbourne, Australien
RUNNING TIME: ca. 43 Minuten
RATING: 8/10
Mit Recontinue melden sich Alarum nach vier Jahren Pause zurück – und knüpfen genau dort an, wo ihre Stärken seit über 25 Jahren liegen: komplexe Strukturen, virtuose Instrumentalarbeit und ein Stil, der sich weigert, in eine einzige Schublade zu passen. Das Album kreist um das Thema Regeneration, um die Fähigkeit, aus Krisen heraus wieder Form anzunehmen. Musikalisch übersetzt die Band dieses Motiv in ein ständiges Wechselspiel aus Härte und Leichtigkeit, Chaos und Klarheit, Struktur und freiem Fluss. Der Einstieg Introspective wirkt wie ein kurzes Atemholen, bevor Imperative das Album mit einem vielschichtigen, weit verzweigten Prog‑Thrash‑Hybrid öffnet. Bassläufe, die fast schon solistisch wirken, treffen auf psychedelische Leads und rhythmische Verschiebungen, die Alarum seit jeher auszeichnen. The Visitor zeigt die melodischere Seite der Band, während A Lifelong Question jene Fusion‑Elemente aufgreift, die an Cynic erinnern, ohne je epigonal zu wirken.
Mit Zero Nine Thirty erreicht das Album einen seiner Höhepunkte: ein Stück, das zwischen atmosphärischer Ruhe und virtuosen Ausbrüchen pendelt, bevor Unheard Words mit jazzigen Brüchen und unorthodoxen Wendungen überrascht. Into Existing bringt eine härtere Note ins Spiel, bevor das finale Awaken By Fire die gesamte Spannweite des Albums bündelt – ein wilder, verschachtelter Abschluss, der technische Präzision und emotionale Wucht vereint. Die Produktion ist klar, dynamisch und bewusst nicht überkomprimiert. Die Instrumente behalten Raum, atmen, überlagern sich, ohne sich gegenseitig zu erdrücken. Gerade in einem Genre, das oft an seiner eigenen Dichte erstickt, wirkt Recontinue erstaunlich organisch.
Fazit: Recontinue ist ein Album, das Alarum in ihrer gereiften Form zeigt: technisch brillant, stilistisch frei, aber nie selbstverliebt. Die Band findet zurück zu jener Balance aus Progressivität und Direktheit, die ihre besten Werke auszeichnet. Ein starkes Lebenszeichen – und ein überzeugender Beweis dafür, dass Weitergehen manchmal bedeutet, zu sich selbst zurückzufinden.
