Daniele Brusaschetto - Dichotomous

 

ARTIST: Daniele Brusaschetto

TITLE: Dichotomous

LABEL: WormHoleDeath

RELEASE DATE: 6. Februar 2025

GENRE: Experimental Noise Metal / Avant‑Metal

ORIGIN: Italien

RATING: 8/10


Mit Dichotomous setzt Daniele Brusaschetto seinen Weg zwischen Noise, Avant‑Metal und experimenteller Gitarrenmusik konsequent fort. Das Album wirkt wie die logische Weiterentwicklung seiner letzten Veröffentlichungen: roh, kantig, bewusst sperrig und gleichzeitig strukturiert genug, um nicht im Chaos zu versinken. Der Sound des Power‑Trios ist geprägt von schweren Riffs, dissonanten Gitarrenlinien und einer Rhythmussektion, die zwischen Groove und kontrollierter Unruhe pendelt. Der Opener Nosediving zeigt sofort, worum es auf diesem Album geht: verzerrte Gitarrenflächen, ein massiver Bass und ein Schlagzeug, das eher treibt als führt. Der Song arbeitet mit Spannung und Entladung, ohne klassische Songstrukturen zu bedienen.

 

Die Mischung aus Noise‑Elementen und klaren Riff‑Akzenten funktioniert gut und setzt den Ton für das restliche Album. Remember Not To Forget und Choking Clouds Of Ammonia gehören zu den stärkeren Momenten. Beide Tracks kombinieren schwere, fast sludgeartige Riffs mit math‑artigen Rhythmusverschiebungen. Die Songs wirken dicht, aber nicht überladen, und zeigen Brusaschetto als Musiker, der bewusst mit Reibung arbeitet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Mit Blank T‑shirt On The Radio und Jeux Sans Frontières wird das Album experimenteller. Die Gitarrenlinien sind kantiger, die Strukturen offener, und die Songs bewegen sich stärker im Bereich zwischen Noise‑Rock und Avant‑Metal. Die Tracks funktionieren atmosphärisch, verlangen aber Aufmerksamkeit — Hintergrundmusik ist das hier nicht. Assenza und Mare Profumo Di Mare sind die längsten Stücke des Albums und nutzen ihre Spielzeit für langsame Spannungsbögen.

 

Beide Songs arbeiten mit Wiederholungen, Schichtungen und einer düsteren Grundstimmung, die sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließt. Die Band setzt hier auf Atmosphäre statt auf Härte, ohne den Grundcharakter des Albums zu verlieren. Der Abschluss Nera ist direkter und kompakter. Der Song fasst die Stärken des Albums gut zusammen: schwere Riffs, dissonante Akzente und ein Sound, der bewusst zwischen Struktur und Chaos balanciert. Die Produktion ist rau, aber klar genug, um die Details hörbar zu machen. Die Gitarren stehen im Vordergrund, der Bass ist massiv, und das Schlagzeug wirkt organisch und unpoliert — passend zur Ausrichtung des Albums.

 

Fazit:

Dichotomous ist ein kompromissloses, experimentelles Noise‑Metal‑Album, das Brusaschettos Handschrift klar trägt. Es ist fordernd, atmosphärisch und bewusst unkonventionell. Die stärksten Momente entstehen, wenn Groove, Dissonanz und Struktur zusammenfinden. Nicht jeder Track bleibt sofort hängen, aber das Album entfaltet seine Wirkung mit der Zeit. Für Hörer, die zwischen Voivod‑Dissonanz, Godflesh‑Schwere und Avant‑Metal‑Experimenten zuhause sind, ist Dichotomous ein spannendes, eigenständiges Werk.



25.01.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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