Band: DEUS SABAOTH

Album: Distortion of Lies

Release Date: 29.05.2026

Country: Ukraine

Genre: Melodic Black Metal

Label: Paragon Records


Gegründet 2023 in der Ukraine, Debüt 2025, zweites Album 2026 — das Tempo, mit dem Deus Sabaoth Musik veröffentlichen, ist bemerkenswert, zumal das Material nicht nach Schnellschuss klingt. Distortion of Lies ist ein konzeptuell geschlossenes Werk: sieben Tracks, 33 Minuten, thematisch um religiöse Kritik und Erkenntnistheorie kreisend. Die Kernfrage des Albums — wie leicht wird Trost zur Täuschung? — ist keine, die Melodic Black Metal häufig mit dieser Ernsthaftigkeit verfolgt.

 

Das Ensemble um Komponistin und Bassistin Alyona Neith arbeitet mit ungewöhnlichen Mitteln für das Genre: Violinspiel von Sofia Konstantynova zieht sich durch die Arrangements und gibt dem Sound eine barocke Schichtung, die ihn von der Masse der atmosphärischen Black-Metal-Produktionen abhebt. Der Opener "Worship" etabliert das Grundprinzip — kalt, melodisch präzise, mit einem Gespür für dynamische Spannung. "Imperishable Script" und "Tree of Knowledge" gelten laut Resonanz als Höhepunkte, und tatsächlich sind es die Tracks, auf denen das Zusammenspiel von Gitarre, Violine und dem Gesang von N-Exul am dichtesten wirkt.

 

Sieben Tracks, keine Füllmasse — Deus Sabaoth liefern konzentrierte Dunkelheit mit barocker Kontur. Dass Anton Vorozhtsov (Hell:On) die Gitarren beisteuert und Dmytro Kim — bekannt als ehemaliger Schlagzeuger von Jinjer — an Aufnahme und Komposition beteiligt ist, hört man: die Produktion hat Substanz und Richtung, ohne den rauen Charakter des Genres zu glätten. Kim und das reguläre Bandmitglied Ercld an den Drums ergeben ein rhythmisches Fundament, das die melodischen Linien trägt, ohne sie zu dominieren.

 

Zwei Einwände sind berechtigt. Erstens: 33 Minuten sind knapp. Das Album ist in sich stimmig, aber man verlässt es mit dem Gefühl, dass mehr Raum dem Material gut getan hätte — nicht aus Beliebigkeit, sondern weil das Konzept mehr tragen könnte. Zweitens, und das ist struktureller: Deus Sabaoth bewegen sich in einem Genre, das viele starke Vertreter hat. Firtan, Groza, Mgła — der Vergleichsraum ist eng besetzt. Distortion of Lies besteht in dieser Gesellschaft, aber der Moment, in dem die Band einen unverwechselbar eigenen Fingerabdruck hinterlässt, ist noch nicht vollständig erreicht. Die Bausteine dafür sind vorhanden.

 

Fazit: Ein zweites Album, das den Schritt nach vorne macht — konzeptuell, klanglich, kompositorisch. Deus Sabaoth sind auf dem richtigen Weg. Beim nächsten Werk dürfte die Frage nach dem eigenen Fingerabdruck beantwortet sein.



07.06.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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