Ennui - Qroba
ARTIST: Ennui
TITLE: Qroba
LABEL: Meuse Music Records
RELEASE DATE: 27. Februar 2026
GENRE: Funeral Doom / Death Metal
ORIGIN: Georgien
RATING: 8/10
Mit Qroba legen Ennui ihr fünftes Studioalbum vor und führen ihren Weg konsequent weiter: monumentaler Funeral Doom, der weniger auf Schockwirkung setzt und mehr auf eine tiefgreifende, existenzielle Schwere. Die Band aus Tbilisi bleibt ihrer Linie treu, erweitert ihren Klang aber um zusätzliche atmosphärische Details und eine noch stärkere emotionale Verdichtung. Die fünf langen Stücke wirken wie Kapitel eines einzigen, unaufhaltsamen Abstiegs, getragen von massiven Gitarrenwänden, tiefen Growls und einer Produktion, die das Gewicht der Musik klar und druckvoll transportiert. Der Einstieg Antinatalism zeigt sofort, wie sehr Ennui auf Skalierung und Raumwirkung setzen. Die Gitarren entfalten sich langsam, schwer und mit einer Wucht, die den Hörer förmlich in den Boden drückt.
Die Drums wirken wie entfernte Einschläge, während die Vocals aus der Tiefe des Mixes aufsteigen. Der Track etabliert die Grundstimmung des Albums: kalt, resignativ und von einer bedrückenden Klarheit. Becoming Void verstärkt diesen Eindruck. Die Band arbeitet hier mit noch breiteren Akkorden und einer Rhythmik, die bewusst träge bleibt, ohne an Struktur zu verlieren. Die melodischen Leads setzen gezielte Akzente und verleihen dem Stück eine melancholische Note, die sich organisch in das Gesamtbild einfügt. Mit Decima erreicht das Album einen der emotional stärksten Momente. Die Kombination aus feinen, fast zerbrechlichen Melodien und massiven Klangschichten zeigt die Fähigkeit der Band, subtile Details in ein extrem schweres Fundament einzubetten. Der Einsatz des traditionellen georgischen Panduri‑Lauts erweitert die Atmosphäre und verleiht dem Stück eine regionale Färbung, die nicht exotisch wirkt, sondern authentisch und tragend. Down to the Stars setzt stärker auf Weite und eine fast kosmische Perspektive. Die Gitarrenlinien wirken hier weniger bedrückend und mehr wie ein Blick in eine kalte, unendliche Leere.
Die Band nutzt die Länge des Stücks, um einen klaren Spannungsbogen aufzubauen, ohne in Wiederholung zu verfallen. Der Abschluss Mokvda Mze bündelt die Stärken des Albums: schwere, langsam rollende Riffs, tiefe Growls und melodische Linien, die sich erst spät entfalten. Der Track wirkt wie ein finaler Zusammenbruch, der nicht abrupt endet, sondern langsam in die Stille übergeht. Die Produktion von Greg Chandler (Esoteric) ist klar, druckvoll und verleiht dem Album eine zusätzliche Tiefe. Die Gitarren stehen massiv im Raum, die Drums wirken organisch, und die Vocals sind präsent, ohne den Mix zu überladen. Die Klangästhetik passt perfekt zur Ausrichtung der Band und unterstreicht die emotionale Schwere des Materials.
Fazit: Qroba ist ein eindrucksvolles Funeral‑Doom‑Album, das Ennui als gereifte, stilistisch gefestigte Band zeigt. Die Mischung aus massiver Schwere, melodischer Feinheit und atmosphärischer Tiefe ergibt ein Werk, das nicht überraschen will, sondern überzeugen. Kein revolutionärer Schritt, aber ein starkes, ehrliches und konsequent umgesetztes Kapitel im Schaffen der Georgier — und eines ihrer bislang geschlossensten.
