Band: Franck Carducci
Album: Sheeple
Release Date: 10.04.2026
Country: Frankreich
Genre: Classic Rock / Progressive
Label: Cherry Red Records
Sieben Jahre nach The Answer ist Franck Carducci zurück — und er hat die Wartezeit genutzt. Sheeple, sein siebtes Studioalbum, ist das ambitionierteste und in sich stimmigste Werk seiner Karriere. Was der Franzose, der tief in der britischen Classic-Rock-Szene verwurzelt ist, hier abliefert, klingt nach einem Künstler im Vollbesitz seiner Mittel: Pink Floyd, Supertramp und Genesis als Referenzpunkte, aber kein Stück wie eine Kopie von ihnen.
Der Titeltrack ist eine kurze Ouvertüre — Hammond-Orgel, ein paar Schafgeräusche, trockener britischer Humor. Dann zieht "Self-Righteousness" das Tempo sofort an: ein druckvoller Rocker, der moralischen Überheblichkeitskomplexen und selbstgewissen Grabenkämpfen ohne Umschweife auf die Pelle rückt, und dabei klingt er nicht wie eine Predigt, sondern wie einer, der auf der Bühne steht und Recht hat. Das ist das Kunststück, das Carducci auf diesem Album immer wieder gelingt: politisch und gesellschaftskritisch, ohne didaktisch zu werden.
Kein klassischer Prog-Ausflug, kein nostalgischer Rückblick — Sheeple ist Classic Rock mit dem Energiepegel des Hier und Jetzt. Das strukturelle Herzstück ist die "Sweet Cassandra"-Suite, die in drei Teilen durch das Album gewoben wird. Statt die übliche Pflichtballade zu servieren und hinter sich zu lassen, baut Carducci den ruhigeren, nachdenklichen Gegenpol als wiederkehrendes Element ein — klug, weil es dem Album Atmung gibt, ohne seinen Drive zu unterbrechen. Cassandra, die Prophetin, deren Warnungen niemand hören wollte, ist als Figur für das Thema des Albums — Gruppendenken, Selbsttäuschung, der Reflex, andere als Schafe zu bezeichnen, während man selbst der Herde folgt — eine präzise Wahl.
Instrumentell ist Sheeple eine Freude für alle, die Werkzeugkunde schätzen: Theremin, Mellotron, Didgeridoo und Carduccis eigenes Lieblingsinstrument, das als "Goldy" bekannte Shergold Custom Double — ein Hybrid aus E-Bass und zwölfsaitiger Gitarre, Ende der 70er auf Anfrage gebaut. Diese Klangfarben sind keine Showeinlagen, sondern genuiner Bestandteil der Arrangements. "The Limits of Freedom" und "Love or Survive" tragen die atmosphärische Seite des Albums, bevor "Do What You're Told" als lakonischer Blues-Rausschmeißer das Ganze auf dem Punkt zu Ende bringt.
Dass das Album mit einer 2019er-Version von "Sweet Cassandra" als Bonustrack schließt, gibt denjenigen, die der Entwicklung des Stücks nachspüren wollen, einen direkten Vergleichspunkt. Das ist kein Füllmaterial, sondern ein dokumentarischer Impuls.
Fazit: Sheeple ist Franck Carduccis bestes Album — konzeptuell, kompositorisch und klanglich. Für alle, die Classic Rock als lebendiges Genre und nicht als Museumsbestand verstehen, ist das hier Pflicht.
