Gorrch - Stillamentum
ARTIST: Gorrch
TITLE: Stillamentum
LABEL: Avantgarde Music
RELEASE DATE: 30. Januar 2026
GENRE: Dissonant Black Metal / Avant‑Garde Black Metal
ORIGIN: Italien
RATING: 8/10
Mit Stillamentum melden sich Gorrch nach sechs Jahren Pause mit einem Album zurück, das die dissonante Ausrichtung ihres 2020er‑EP‑Meilensteins Introvertere konsequent weiterführt. Das italienische Duo setzt auf eine Mischung aus technischer Präzision, chaotischer Intensität und ritueller Atmosphäre. Die sechs Stücke bewegen sich zwischen rasender, verzerrter Gewalt und bedrückenden, fast monastischen Passagen, die dem Album eine klare Identität verleihen. Der Opener Nimbus zeigt sofort, wohin die Reise geht: scharfkantige Gitarren, komplexe Rhythmik und ein permanenter Spannungsaufbau, der sich in eruptiven Ausbrüchen entlädt. Die Produktion ist dicht, aber nicht überladen; die Gitarren stehen im Vordergrund, während die Drums eine unnachgiebige Grundlage bilden.
Die Vocals wirken wie ein weiterer instrumentaler Layer und verstärken die klaustrophobische Atmosphäre. Vorago und Larvæ setzen auf eine Mischung aus dissonanten Akkorden, abrupten Rhythmuswechseln und hymnalen Hintergrundchören, die Gorrch bereits auf früheren Veröffentlichungen angedeutet hatten. Die Band nutzt diese Elemente gezielt, um die Songs nicht nur aggressiv, sondern auch rituell und unheimlich wirken zu lassen. Besonders Larvæ sticht durch seine Kombination aus technischer Schärfe und atmosphärischer Tiefe hervor. Mit Cryptæ und Angor bewegt sich das Album stärker in Richtung repetitiver, droniger Strukturen. Die Songs verlieren dabei nicht an Intensität, wirken aber homogener und weniger abwechslungsreich als die erste Hälfte. Die subtilen Details — kurze melodische Einsprengsel, rhythmische Verschiebungen, chorale Akzente — halten die Stücke dennoch interessant, auch wenn sie weniger sofort im Gedächtnis bleiben.
Der Abschluss Phlegma fasst die Stärken des Albums zusammen: dissonante Gitarren, komplexe Rhythmik und eine Atmosphäre, die zwischen ritueller Schwere und kontrolliertem Chaos pendelt. Der Song bricht die zuvor etablierte Struktur leicht auf und verleiht dem Album ein wirkungsvolles, intensives Finale. Die Produktion von Andrea Petucco (Ad Nauseam) ist klar, druckvoll und betont die dissonanten Elemente, ohne die Songs zu überfrachten. Die Gitarren klingen scharf und präsent, die Drums sind präzise, und die Vocals fügen sich gut in das Gesamtbild ein. Die Mischung verstärkt die klaustrophobische Wirkung des Albums und passt zur stilistischen Ausrichtung der Band.
Fazit: Stillamentum ist ein starkes, technisch anspruchsvolles und atmosphärisch dichtes Werk, das Gorrch als gereifte Vertreter des dissonanten Black Metal zeigt. Die Mischung aus chaotischer Härte, rituellen Elementen und präziser Komposition ergibt ein Album, das fordernd, aber lohnend ist. Kein leicht zugängliches Werk, aber ein intensives, konsequent umgesetztes Statement für Fans der avantgardistischen Extreme.
