Band: HECATE ENTHRONED
Album: The Corpse of a Titan...
Release Date: 29.05.2026
Country: UK
Genre: Symphonic Black Metal
Label: M-Theory Audio
Sieben Jahre sind eine lange Wartezeit — lange genug, um eine Band zu vergessen, und lang genug, um sie mit dem richtigen Album wieder unüberhörbar zu machen. Hecate Enthroned, seit den frühen Neunzigern eine der stilprägenden Stimmen des britischen Black Metal, liefern mit The Corpse of a Titan, A Lament Long Buried ihr siebtes Studioalbum ab und machen dabei unmissverständlich klar, dass die Pause keine Erosion war, sondern Anlauf.
Der Vergleich mit Cradle of Filth begleitet die Band seit Jahrzehnten, und er ist nicht ganz ungerecht — beide haben maßgeblich dazu beigetragen, was orchestralen britischen Black Metal ausmacht. Doch während Cradle of Filth theatralische Bombastik als Markenzeichen kultiviert haben, bleiben Hecate Enthroned dem Untergrund treu: kälter, schärfer, weniger auf Spektakel ausgerichtet. Das ist keine Schwäche, sondern eine Haltung — und sie zahlt sich auf diesem Album aus.
Produzent Dan Abela (Akercocke, Anaal Nathrakh) gibt dem Material genau das, was es braucht: Druck ohne Überproduktion, Klarheit ohne Sterilität. Das war beim Vorgänger Embrace of the Godless Aeon noch nicht ganz ausbalanciert — hier sitzt es. "Spirits Stir Within Our Ancestors Tombs" ist das Paradebeispiel: zupfende Gitarre über Cello und Violine als Einstieg, dann volle Eskalation in Death-Metal-Aggression und Double-Bass-Gewitter. Die Fähigkeit, solche Übergänge ohne Bruch zu gestalten, ist das Kerntalent des Albums.
54 Minuten altkeltischer Mythen unter symphonischem Black Metal begraben — und kein Takt davon verschwendet. Das lyrische Fundament aus walisisch-britischer Mythologie — Rhiannon, der Pwca, die Stille des Boreal Monastery — gibt dem Album eine thematische Konsistenz, die über bloße Stimmungsmalerei hinausgeht. Sänger Joe Stamps, seit Embrace of the Godless Aeon festes Mitglied, hat sich die Rolle vollständig angeeignet: seine Performance hier ist beides, commanding und nuanciert. "A Gallery of Rotting Portraits" und "The Boreal Monastery" gehören zu den stärksten Tracks, und das Abschlusstrack "Into a Vale of Endless Snow" lässt das Album mit der richtigen Schwere enden.
Einzig "Pwca" als sechsminütiges Instrumental-Interlude aus Violine und Klavier — laut Pressestimmen dem Soundtrack einer epischen Tragödie ähnelnd — spaltet die Meinungen. Es ist schön, aber es bremst den Fluss des Albums an genau der Stelle, wo er am wenigsten unterbrochen werden sollte. Ein Schönheitsfehler, kein strukturelles Problem.
Fazit: Hecate Enthroned haben die sieben Jahre investiert, nicht verwartet. Das ist ihr stärkstes Album seit Langem — essentiell für alle, die britischen Symphonic Black Metal ernst nehmen.
