INCA BABIES – Reincarnation

 

ARTIST: Inca Babies

TITLE: Reincarnation

LABEL: Black Lagoon Records

RELEASE DATE: 28. November 2025

GENRE: Post‑Punk / Death‑Rock

LOCATION: Manchester, UK

RUNNING TIME: ca. 50 Minuten

RATING: 8/10


Mit Reincarnation legen die Inca Babies ein Album vor, das weit mehr ist als eine bloße Neuaufnahme alter Songs. Es ist ein Rückgriff auf vier Jahrzehnte Bandgeschichte – und zugleich ein radikaler Schritt nach vorn. Harry Stafford und seine Mitstreiter graben tief im eigenen Archiv, nicht um Nostalgie zu bedienen, sondern um ihre Vergangenheit neu zu formen, zu schärfen und in ein zeitgenössisches Klangbild zu überführen. Die Grundidee ist ebenso einfach wie klug: Songs sind Momentaufnahmen. Was damals im Studio entstand, war das Ergebnis eines Tages, einer Stimmung, einer Besetzung. Reincarnation zeigt, wie lebendig diese Stücke bleiben, wenn man sie nicht als Denkmal betrachtet, sondern als Material, das sich weiterentwickeln darf. Für langjährige Fans ist das ein Fest der Wiederentdeckung; für neue Hörer ein idealer Einstieg in ein Werk, das nie in eine einzige Schublade passte – irgendwo zwischen post‑punkiger Schärfe, swampigem Blues, death‑rockiger Schwärze und Mancunian Grit.

 

Der Auftakt Candy Mountain macht sofort klar, wie ernst die Band es meint. Der Bass rollt schwer und warm, die Gitarren sind klarer, die Elektronik subtiler, und Stafford singt mit einer Reife, die dem Song eine neue Dimension verleiht. Buster’s on Fire, einst ein roher, fast ungestümer Garage‑Rock‑Ausbruch, profitiert enorm von der neuen Produktion: Der Groove sitzt tiefer, die Drums sind breiter, und Stafford liefert die Zeilen mit einer Dringlichkeit, die das Stück endgültig zu dem macht, was es immer sein wollte. Daniella wird durch Ding Archers Dub‑Eingriffe transformiert: ein tiefer, hallender Bass, zersplitterte Gitarren, ein Vokal, der wie aus einem verlassenen Tunnel hallt. Two Rails to Nowhere entfaltet sich nun mit einer Weite, die das Original nur andeutete – ein repetitives Gitarrenmotiv, das sich langsam öffnet, getragen von einem stoischen Basslauf. Jerico bleibt seinem schleppenden Todesmarsch treu, gewinnt aber durch die glitzernden Studioeffekte eine fast filmische Qualität.

 

Phantom Track aus der zweiten Bandphase wurde weniger radikal verändert, aber die neue Klarheit tut ihm gut: Die Gitarren schneiden schärfer, die Stimme sitzt präziser, und das Finale brennt heller. Devil in My Room und Thirst behalten ihren staubigen Western‑Einschlag, wirken aber fokussierter, dichter, weniger fragmentiert. Superior Spectre hingegen verliert etwas von seiner ursprünglichen Wildheit – ein seltener Moment, in dem die Reinvention nicht zwingend stärker ist als das Original. Den Abschluss bildet Cowboy Song, und hier zeigt sich die ganze Kraft des Projekts. Das Stück klingt, als hätten The Cramps einen Country‑Song in einen dunklen Keller gezerrt und dort mit einem rostigen Messer bearbeitet. Die neue Version ist klarer, aber nicht zahmer – ein perfekter Schluss, der die frühen Jahre der Band mit ihrer heutigen Ausdruckskraft verbindet.

 

Fazit: Reincarnation ist kein nostalgisches Best‑of, sondern ein bewusst gestaltetes Re‑Imagining. Die Inca Babies wählen nicht die offensichtlichen Hits, sondern jene Songs, die sich für eine Transformation anbieten – und schaffen damit ein Album, das als geschlossenes Werk funktioniert. Es ist eine Reise durch alternative Zeitlinien, eine Begegnung mit Versionen, die es nie gab, und ein Blick in eine Zukunft, die die Band mit Erfahrung, Reife und ungebrochener Kreativität formt. Ein starkes, eigenwilliges, lebendiges Album. Und ja: Nach dieser Re‑Inca‑rnation wäre ein komplett neues Werk mehr als willkommen.



20.12.2025 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

Facebook - Instagram - Email