Lucid Dreaming

Upon The Barricades

El Puerto Records

10. Juli 2026

Frankfurt, DE

Heavy / Power Metal


Es ist tatsächlich erstaunlich, dass kein anderes Metal-Projekt bisher die deutsche Revolution von 1848 als Konzeptalbum-Stoff entdeckt hat. Till Oberboßel, Gitarrist von Elvenpath und seit Jahren in Frankfurt ansässig, hat diesen Stoff mit der persönlichen Bindung eines Mannes angegangen, der täglich an der Paulskirche vorbeifährt und weiß was dort 1848 auf dem Spiel stand. Das hört man "Upon The Barricades" an — das ist kein historisches Sammelsurium, sondern ein klar erzählter Bogen von Wien 1815 bis zum Scheitern der Revolution, von der Hoffnung zur Enttäuschung.

 

Der naheliegende Avantasia-Vergleich wird von Oberboßel selbst relativiert: weniger Keyboards, mehr Gitarre, erdiger, direkter. Produzent Uwe Lulis (Accept) und Schlagzeuger Alex Holzwarth (Avantasia, Rhapsody of Fire) geben dem Material das nötige Fundament aus Handwerk und Erfahrung. Das Ergebnis ist ein Heavy/Power Metal Album, das seine theatralische Dimension durch Stärke trägt, nicht durch Bombast.

 

Wo andere Metal Operas im Bombast versinken, bleibt Lucid Dreaming geerdet — und erzählt dabei Geschichte mit echtem Gewicht. Die Gastsänger-Liste ist beeindruckend und durchdacht zugleich: Blaze Bayley und Ralf Scheepers auf "Confederation", Zak Stevens und Harry Conklin auf mehreren zentralen Tracks, Gerre (Tankard) auf dem Titelstück als raue Gegenstimme zu den klassischen Power-Metal-Tenören. Besonders "Farewell (Blum's Last Letter)" mit Harry Conklin solo trägt das Gewicht von Robert Blums letztem Brief an seine Frau mit einer Stille, die auf einem Power Metal Album selten ist. "The Springtime Of Peoples" mit sieben Gastsängern und eingewebtem deutschen Volkslied ist der strukturelle Höhepunkt. Das Schlussstück "Puppets on Strings" liefert die bittere Abrundung: Zak Stevens, Piet Sielck und George Thomaidis über das Scheitern aller Revolutionsträume.

 

Dass Oberboßel das Thema auch als zeitloses wählt — die Frage nach Demokratie und ihrer Ablehnung ist keine historische Kuriosität — gibt dem Album eine Aktualität, die es nicht ausspricht, aber deutlich spürbar macht.

 

Fazit: Ein Konzeptalbum mit echtem historischen Gewissen, handwerklicher Stärke und einer Gastsänger-Besetzung, die jeden Track trägt ohne ihn zu erschlagen. Lucid Dreaming haben mit "Upon The Barricades" ihr bisher ambitioniertestes und stärkstes Werk abgeliefert.



19.06.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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