Oathbound - Colors in Grey
ARTIST: Oathbound
TITLE: Colors in Grey
LABEL: Eclipse Records
RELEASE DATE: 6. März 2026
GENRE: Progressive Metalcore
RATING: 8 von 10
Oathbound liefern mit Colors in Grey ein Debütalbum, das sich klar im modernen Progressive‑Metalcore verortet, aber genug Eigenständigkeit besitzt, um nicht in der Masse unterzugehen. Die Band aus Seattle arbeitet mit einer Mischung aus emotionaler Direktheit, technischer Präzision und einem Sound, der zwischen atmosphärischer Weite und kontrollierter Härte pendelt. Die Themen – Trauma, Kontrollverlust, Selbstzweifel, der Versuch, sich aus inneren Mustern zu lösen – ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album und geben den Songs eine spürbare Ernsthaftigkeit, die über Genre‑Standard hinausgeht. Nach dem kurzen, cineastischen Intro Origins zeigt der Titeltrack Colors in Grey sofort, wie Oathbound funktionieren: hektische, fast breakcore‑artige Elemente treffen auf melodische Gitarren, harte Shouts wechseln mit klaren Vocals, und die Produktion von Aaron Chaparian sorgt dafür, dass trotz der vielen Schichten nichts ineinander verschwimmt.
Misunderstood gehört zu den härteren Momenten des Albums, nicht zuletzt durch den Gastbeitrag von Patrick Franiuk, der den Song mit zusätzlichen gutturalen Akzenten nach unten zieht. The Masks We Wear bringt eine nostalgische Note ins Spiel, mit Synth‑Elementen, die an die frühen 2000er erinnern, ohne in Retro‑Kitsch abzurutschen. Im Mittelteil zeigt die Band ihre stärksten Momente. Searching for an Answer ist zurecht ein Fokus‑Track: ein eingängiger Refrain, ein treibender Haupt‑Riff und ein Solo, das melodisch genug ist, um hängen zu bleiben, ohne die Härte zu unterbrechen. Insomniac arbeitet stärker mit Atmosphäre und baut Spannung über rhythmische Verschiebungen auf, während Set Adrift und Hold On die emotionalere Seite der Band betonen, ohne in Balladen‑Territorium abzurutschen. Trotz der vielen Stärken bleibt Colors in Grey nicht ohne Schwächen. Der progressive Anspruch ist eher punktuell als durchgehend spürbar, und manche Songs wirken zu kontrolliert, fast zu sauber produziert, um wirklich auszubrechen.
Die Band bewegt sich oft innerhalb sicherer Strukturen, was zwar für Konsistenz sorgt, aber gelegentlich die Überraschungsmomente nimmt, die das Genre besonders machen. Gleichzeitig zeigt das Album aber auch, dass Oathbound ein gutes Gespür für Songwriting besitzen und ihre emotionalen Themen glaubwürdig transportieren. Colors in Grey ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Debüt, das Oathbound klar im modernen Metalcore verankert, aber genug Persönlichkeit besitzt, um sich von den üblichen „Octanecore“-Formeln abzusetzen. Eine Band, die noch nicht am Limit ihrer Möglichkeiten angekommen ist – aber schon jetzt zeigt, dass sie in der oberen Liga des Genres mitspielen will.
