OBELISK – Brushed By Darkness

 

ARTIST: Obelisk

TITLE: Brushed By Darkness

LABEL: Independent

RELEASE DATE: 12. Dezember 2025

GENRE: Metalcore / Alt‑Metal / Modern Metal

LOCATION: Edinburgh, Scotland

RUNNING TIME: ca. 40 Minuten

RATING: 8/10


Mit Brushed By Darkness legt der maskierte Solokünstler Obelisk ein Debüt vor, das weit über die üblichen Parameter eines Ein‑Mann‑Metalcore‑Projekts hinausgeht. Der anonyme Musiker aus Edinburgh schreibt, performt und produziert alles selbst – und genau diese totale Kontrolle über das eigene Klanguniversum macht das Album zu einem Werk, das gleichermaßen persönlich wie theatralisch wirkt. Obelisk bewegt sich zwischen modernem Metalcore, melodischem Alternative‑Metal und elektronisch aufgeladenen Passagen, die an Sleep Token, Bring Me The Horizon oder Electric Callboy erinnern, ohne je in bloße Nachahmung zu verfallen. Der instrumentale Auftakt Slifer the Executive Producer zeigt sofort, wie Obelisk arbeitet: Schönheit und Hässlichkeit liegen dicht beieinander, Synth‑Flächen kippen in verzerrte Ausbrüche, und die Atmosphäre wirkt wie ein Vorhang, der sich langsam hebt. Where Do You End? setzt diesen Ansatz fort – ein energiegeladener, wütender Song über moralische Doppelmoral, getragen von einer Mischung aus harschen Growls und klaren Vocals, die Obelisk mit beeindruckender Präzision schichtet.

 

Mit Karmaeleon und Working Class Zero öffnet sich das Album thematisch weiter. Ersterer ist ein bissiger Kommentar über Cliquen, Oberflächlichkeit und die kalte Seite der Fitness‑Industrie, während letzterer die Arroganz der Wohlhabenden seziert. Beide Songs zeigen, wie sehr Obelisk lyrische Direktheit mit musikalischer Wucht verbinden kann. Stardust Cycle gehört zu den emotionalen Höhepunkten des Albums. Der Song basiert auf der Idee einer Beziehung, die längst zerbrochen ist, aber noch nicht beendet wurde – ein Wechselspiel aus Streit, Versöhnung und dem Wissen, dass alles auf ein Ende zusteuert. Die Mischung aus melodischen Passagen und eruptiven Ausbrüchen wirkt hier besonders stimmig. Tragically Designed greift das Thema der People Pleaser auf und zeigt, wie zerstörerisch es sein kann, sich selbst für andere zu verbiegen.

 

Mit Have You Ever Seen the Sunset, at 3pm? wird das Album dunkler und bedrückender. Die obsessive Präsenz einer Person, die nicht loslassen kann, wird musikalisch in eine klaustrophobische Spannung übersetzt. Set Me Free thematisiert Grenzen, Verrat und den Moment, in dem man sich selbst schützen muss, während Plaything die Perspektive umkehrt und Obelisk sich selbst als Täter zeichnet – ein Song, der zwischen emotionaler Ehrlichkeit und metaphorischer Deutung (Substanzmissbrauch, Abhängigkeit) oszilliert. Der Abschluss Smiling Politely ist der persönlichste Moment des Albums. Obelisk verarbeitet hier seine späte Autismus‑Diagnose, blickt auf ein Leben voller Missverständnisse, Anpassungsversuche und Scham zurück – und gibt seinem inneren Kind Raum, endlich laut zu werden. Es ist ein stiller, aber kraftvoller Schluss, der das Album thematisch zusammenbindet.

 

Fazit: Brushed By Darkness ist ein Debüt, das nicht nur musikalisch überzeugt, sondern auch durch seine emotionale Offenheit. Obelisk verbindet moderne Metalcore‑Ästhetik mit elektronischen Akzenten, melodischer Weite und einer lyrischen Direktheit, die selten in diesem Genre zu finden ist. Das Album wirkt wie ein persönlicher Befreiungsschlag, aber auch wie der Beginn einer künstlerischen Identität, die noch viel Raum zur Entfaltung hat. Ein starkes, vielschichtiges Debüt – und ein Projekt, das man unbedingt weiterverfolgen sollte.



21.12.2025 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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