Orchid Throne - Buried in Black

 

ARTIST: Orchid Throne

TITLE: Buried in Black

LABEL: Self‑Release

RELEASE DATE: 9. Januar 2026

GENRE: Melodic Doom Metal / Atmospheric Doom

ORIGIN: USA

DURATION: 54:43

RATING: 8/10


Mit Buried in Black erfüllt sich Nicholas Bonsanto einen lang gehegten Traum: ein vollständiges Soloalbum, das seine musikalische Handschrift ohne Filter zeigt. Orchid Throne ist ein Ein-Mann‑Projekt, aber keines, das nach Bedroom‑Demo klingt. Die Platte wirkt durchdacht, atmosphärisch dicht und emotional offen — ein Werk, das Doom‑Melancholie, melodische Schwere und dezente Black‑Metal‑Kanten miteinander verbindet. Der Opener Dreamworld ist ein Statement. Über dreizehn Minuten entfaltet sich ein Stück, das wie ein langsamer Abstieg in eine innere Krise wirkt. Die Gitarrenwände sind dicht, die Melodien melancholisch, und die Struktur folgt einem klaren dramaturgischen Bogen. Der Track wirkt wie ein Traum, der kippt — ein Gefühl, das Bonsanto bewusst mit Themen wie Derealisation und Thanatophobie verknüpft. Ephemerality führt diese Linie fort, wirkt aber melodischer und zugänglicher. Die Mischung aus Doom‑Schwere und einem fast warmen, leicht progressiven Unterton funktioniert gut.

 

Die Basslinie trägt den Song spürbar, und die lyrischen Anspielungen auf Pink Floyd und Dream Theater fügen sich organisch ein. What Defines Us bringt eine rhythmischere, etwas schnellere Note ins Album. Der Track wirkt wie ein Ventil — politisch, frustriert, aber melodisch klar geführt. Bonsantos Stimme wechselt hier besonders effektiv zwischen aggressiven und melancholischen Farben. Moonlight Revelry ist der überraschendste Moment der Platte. Folkige Elemente, Percussion, Okarina, Flöte — und trotzdem bleibt der Song im Kern düster. Der Track wirkt wie ein kurzer Blick auf das, was Bonsanto als „Momente, in denen man wirklich lebt“ beschreibt. Die Stimmung ist warm, aber von einer unterschwelligen Traurigkeit durchzogen. Mit Guilt kehrt das Album in seine schwerste Phase zurück. Der Track ist kompakt, intensiv und emotional roh. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders stark, und die improvisierte Solo‑Passage verleiht dem Stück eine spontane, ehrliche Note.

 

Breath of Autumn dient als atmosphärische Zäsur. Ein kurzes, instrumentales Stück, das mit Field‑Recordings und Flöte arbeitet und den Übergang zum Finale vorbereitet. Der Abschluss With Promise ist ein weiterer Longtrack, der die gesamte Klangsprache des Albums bündelt: Doom‑Schwere, melodische Linien, Black‑Metal‑Einschübe und folkige Akzente. Der Track ist thematisch der dunkelste des Albums, aber gleichzeitig einer der ehrlichsten. Die letzten Minuten wirken wie ein offenes Tagebuch — ein Ausklang, der hängen bleibt. Die Produktion ist klar, warm und erstaunlich ausgewogen für ein Solo‑Projekt. Die Gitarren stehen breit, der Bass trägt, die Vocals sitzen sauber im Mix. Nur die Drums wirken gelegentlich etwas mechanisch, was dem DIY‑Charakter geschuldet ist, aber nie störend wirkt.

 

Fazit: Buried in Black ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Debüt, das Orchid Throne als Projekt zeigt, das viel mehr ist als ein Nebenarm anderer Bands. Bonsanto verbindet Doom‑Melancholie, melodische Tiefe und persönliche Themen zu einem Werk, das ehrlich, schwer und emotional greifbar ist. Ein Album, das Fans von Swallow the Sun, Woods of Ypres und Anathema zuverlässig abholen wird.



02.01.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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