Paul Gilbert - WROC
ARTIST: Paul Gilbert
TITLE: WROC
LABEL: Music Theories Recordings
RELEASE DATE: 27. Februar 2026
GENRE: Hard Rock / Fusion Rock
ORIGIN: USA
RATING: 8/10
Mit WROC liefert Paul Gilbert eines seiner ungewöhnlichsten und zugleich charmantesten Soloalben ab. Der Gitarrenvirtuose vertont George Washingtons „Rules of Civility“ – ein Konzept, das auf dem Papier absurd klingt, aber in Gilberts Händen erstaunlich gut funktioniert. Das Ergebnis ist ein Album, das zwischen Hard Rock, Fusion, Blues‑Rock und zappaesker Verspieltheit pendelt und dabei sowohl seine Gitarrenkunst als auch seine selten eingesetzten Vocals in den Mittelpunkt rückt. Der Opener Keep Your Feet Firm and Even startet klassisch Gilbert: virtuose Gitarrenläufe, ein klarer Rock‑Groove und ein Refrain, der überraschend eingängig ist. Show Not Yourself Glad (At the Misfortune of Another) bewegt sich stärker in Richtung Fusion und bietet komplexe Rhythmen, melodische Gitarrenlinien und eine humorvolle Umsetzung der historischen Regel. Maintain a Sweet and Cheerful Countenance wirkt zappaesk, voller Breaks und rhythmischer Verschiebungen. Go Not Thither gehört zu den Highlights des Albums. Der Track kombiniert Boogie‑Blues‑Elemente, klassische Hard‑Rock‑Riffs und Gilberts typisches
Vibrato‑Spiel. Orderly and Distinctly bleibt stilistisch schwer zu fassen, bewegt sich aber souverän zwischen Rock, Fusion und experimentellen Momenten. Let Thy Carriage ist ein solider Hard‑Rock‑Song, während Speak Not Evil of the Absent als klassischer Gitarrenrocker funktioniert. Mit Conscience Is the Most Certain Judge wird es ruhiger und melodischer, bevor Spark of Celestial Fire als achtminütiges Gitarrenepos folgt. Hier packt Gilbert noch einmal alle Tricks aus: schnelle Läufe, melodische Themen, dynamische Wechsel und eine Vielzahl an stilistischen Referenzen. Der Abschluss George Washington Rules bringt das Album mit einem lockeren Rock’n’Roll‑Track zu Ende. Die Produktion ist warm, klar und bewusst organisch gehalten. Das Album wurde live eingespielt, was man deutlich hört: Die Songs atmen, die Band klingt eingespielt, und die Gitarren stehen im Zentrum, ohne steril zu wirken.
Fazit: WROC ist ein humorvolles, technisch starkes und stilistisch vielseitiges Album, das Paul Gilbert von einer verspielten, experimentierfreudigen Seite zeigt. Nicht jeder Track zündet sofort, und manche Regeln wirken textlich sperrig, aber die Gitarrenarbeit ist durchgehend erstklassig. Ein Album für Fans, die Gilbert nicht nur als Virtuosen, sondern auch als kreativen Geschichtenerzähler schätzen.
