PTOLEMEA – KALI
ARTIST: Ptolemea
TITLE: Kali
LABEL: Ragingplanet Records
RELEASE DATE: 6. November 2025
GENRE: Dark Alternative Rock / Doom
RUNNING TIME: ca. 45 Minuten
RATING: 8/10
Mit Kali veröffentlicht PTOLEMEA ihr zweites Full‑Length‑Album – ein Werk, das die Transformation der Band um Sängerin und Gründerin Priscila Da Costa weiterführt. Manche kennen Da Costa als aktuelle Stimme des portugiesischen Doom‑Kollektivs Sinistro. Doch mit PTOLEMEA, ihrem eigenen Projekt mit Sitz in Luxemburg, schlägt sie eine ganz andere Richtung ein: atmosphärisch, spirituell, experimentell. Benannt nach der hinduistischen Göttin Kali, die Zerstörung als Weg zur Erneuerung verkörpert, versteht sich das Album als Invocation – ein Loslassen und Öffnen für Neues. Musikalisch verbindet PTOLEMEA düstere Rock‑Architektur mit elektronischen Texturen, spiritueller Symbolik und kosmischer Weite. Kura eröffnet mit einem beschwörenden Arpeggio aus Gitarre und Keyboard, das sich nach dreißig Sekunden zu einem Meer aus Stimmen verdichtet.
Da Costa wechselt mühelos zwischen geflüstertem Contralto und Falsett, bevor bei 1:30 die Percussion einsetzt. Ab 3:25 verändert ein verzerrtes Bass‑Snare‑Pattern die Dynamik – ein verzaubernder Auftakt. Breathe lebt von der Spannung zwischen Da Costas Sopran und ihrer Bruststimme. Gitarren und Piano verweben sich um die Drums, die bewusst kein konstantes Tempo halten. Ein Song, der live hypnotisch wirken dürfte. Blue Moon entfaltet halluzinatorische Energie, die an Dead Can Dance trifft Godspeed You! Black Emperor erinnert. Die Worte schweben wie Libellen im Licht, getragen von minimalistischen Patterns. Traumrock mit eigenem Charakter. Luta und Guilhotina bringen Härte: fuzziger Bass, desolate Drums, ein Chor aus Stimmen, bevor eine Violine die Übergänge veredelt.
Andhera setzt auf grungige Bassbewegungen und kreisende Drums, durchbrochen von Gitarrenpedalen wie entfernte Fackeln. Kein klassisches Songformat, sondern ein freier Klangfluss. Gaivota und Aqui, Ali, Acolá öffnen die akustische Seite: rhythmisches Strumming ersetzt Percussion, ein Tanz unter dem Mondlicht. Kali beschließt das Album mit hallreichem Keyboard‑Drone und Da Costas Stimme, die sich wie Björk über die Drums erhebt – wild, roh, zugleich nährend. Die Produktion erscheint als Digital‑, CD‑ und Vinyl‑Version über Ragingplanet Records. PTOLEMEA bleibt dabei mehr als ein Musikprojekt: ein Portal zwischen Dimensionen, wo Mystik und Musik verschmelzen und Sound zum Werkzeug für Transformation wird.
Fazit: Kali ist ein rituelles Klangwerk – ein Album, das Dunkelheit nicht fürchtet, sondern als Weg zur Erneuerung begreift. PTOLEMEA etabliert sich endgültig als Stimme im Dark Alternative Rock, die Spiritualität und Sound zu einem hypnotischen Erlebnis verbindet.
