ROTH - Alles Endet
ARTIST: ROTH
TITLE: Alles Endet
LABEL: Massacre Records
RELEASE DATE: 30. Januar 2026
GENRE: Dark German Metal / Blackened Metal
ORIGIN: Deutschland
RATING: 8/10
Mit Alles Endet legt Quentin Roth ein Album vor, das in seiner Konsequenz, seinem persönlichen Zugriff und seiner stilistischen Geschlossenheit im deutschsprachigen Metal selten geworden ist. Vier Jahre Arbeit, komplette Eigenkomposition, vollständige Instrumentierung, Produktion und Mix aus einer Hand – und dennoch wirkt das Ergebnis nicht wie ein hermetisches Solo‑Projekt, sondern wie ein geschlossenes, erzählerisch starkes Werk, das die Linie von Nachtgebete weiterführt und zugleich deutlich erweitert.
Der Einstieg Am Leben ist kurz, direkt und scharf konturiert. Cedric Roß’ Lead‑Gitarren setzen sofort Akzente, während M. Roths unverwechselbare Stimme die erzählerische Ebene öffnet. Der Track wirkt wie ein Auftakt, der nicht auf Atmosphäre setzt, sondern auf klare Kante und rhythmische Härte.
Kriegstourist bleibt im Midtempo, aber mit einer melodischen Führung, die sich sofort festsetzt. Die Mischung aus erzählerischem Sprechgesang, harschen Ausbrüchen und melodischen Gitarrenlinien funktioniert hervorragend. Mein Schwesterlein öffnet das Album in eine dunklere, fast balladeske Richtung, ohne die Grundhärte zu verlieren. Der Track lebt von seiner bedrückenden Stimmung und der Art, wie M. Roth die Geschichte trägt.
Mit Stirb! folgt einer der aggressivsten Momente der Platte. Die Gitarrenarbeit ist kantig, die Vocals beißend, und die Produktion wirkt hier besonders druckvoll. Keine Zeit für Tränen bringt wieder mehr Melodie ins Spiel, bleibt aber thematisch und atmosphärisch schwer. Quentin Roths Gespür für dynamische Spannungswechsel zeigt sich hier besonders deutlich.
Zahle den Preis gehört zu den Tracks, in denen Cedric Roß’ Leads das Klangbild entscheidend prägen. Der Song wirkt wie ein Hybrid aus modernem Dark Metal und klassischer deutscher Härte – klar strukturiert, aber mit emotionaler Tiefe. Novembermord ist kürzer, direkter und atmosphärisch dichter, während Gruss aus der Küche mit seinem erzählerischen Ansatz und der düsteren Grundstimmung fast filmisch wirkt.
In den Wurzeln der Eichen bringt eine folkige Note ins Album, ohne in Pagan‑Klischees abzurutschen. Der Track wirkt erdig, getragen und atmosphärisch dicht. Du blutest heute nicht allein verbindet Härte und Melodie auf eine Weise, die stark an die Stärken des Debüts erinnert, aber mit modernerer Produktion und klarerer Struktur.
Leiche im Schrank ist einer der düstersten Songs des Albums. Die Gitarrenarbeit ist scharf, die Vocals bedrohlich, und die Produktion legt den Fokus auf rhythmische Schwere. Der Track wirkt wie ein Knotenpunkt der thematischen Dunkelheit des Albums.
Der Abschluss Alles Endet fasst die Stimmung des Albums präzise zusammen: resignativ, klar, ohne Pathos, aber mit emotionaler Wucht. Kein überlanger Abschluss, kein künstliches Finale – sondern ein sauber gesetzter Schlusspunkt.
Die Produktion ist modern, druckvoll und erstaunlich detailreich. Quentin Roth hat einen Sound geschaffen, der sowohl organisch als auch zeitgemäß wirkt. Markus Stocks Mastering verleiht dem Album zusätzliche Tiefe und Klarheit, ohne die rohe Emotionalität zu glätten.
Visuell fügt sich das Artwork von Svartir Andar Graphix nahtlos in die musikalische Welt ein: düster, fatalistisch, aber nicht plakativ. Die Bildsprache verstärkt die Themen des Albums, ohne sie zu überzeichnen.
Fazit: Alles Endet ist ein intensives, persönliches und stilistisch ausgereiftes Werk, das ROTH als feste Größe im deutschsprachigen Dark‑Metal‑Bereich etabliert. Zwölf Songs, die Härte, Melodie, Erzählkraft und moderne Produktion verbinden – und ein Album, das die Linie von Nachtgebete nicht nur fortsetzt, sondern konsequent weiterentwickelt. Ein starkes, geschlossenes Statement.
