VAST PYRE – II Bleak

 

ARTIST: Vast Pyre

TITLE: II Bleak

LABEL: Octopus Rising

RELEASE DATE: 28. November 2025

GENRE: Doom Metal

LOCATION: Deutschland

RUNNING TIME: ca. 45 Minuten

RATING: 8/10


Mit II Bleak kehrt das Duo Vast Pyre zurück – ein Album, das weit jenseits des Schocks und tief im resignierten Körper einer traumatisierten Seele angesiedelt ist. Die Band blickt durch die nebligen Augen der Bald‑Toten und erschafft ein noisiges, schmerzgeborenes Werk, das die psychedelischen Ränder des Doom hinter sich lässt und stattdessen morbid, verstörend und verhärtet klingt. Begotten eröffnet als elfminütiger Monolith, dessen durchgehendes Feedback wie Tinnitus wirkt und die Hörer an den Rand des Wahnsinns treibt.

 

Erst in den letzten Minuten rollt der Song in ein schweres Doom‑Riff hinein, das die ganze Verzweiflung bündelt. Tenebrosity’s Path, die erste Single, setzt den Weg fort: ein dronendes, experimentelles Stück, das zwischen subtilen Effekten und massiven Riffs oszilliert und die Aura von Acolytes of Moros oder frühen Conan evoziert – allerdings introvertierter, gebrochener, verzweifelter. Beneath the Surface ist weniger Song als dreiminütiger Feedback‑Exorzismus, ein Übergang, der die Ohren bluten lässt und die Atmosphäre noch weiter verdichtet. Mit The Untold folgt das wohl stärkste Stück des Albums: ein kohärent arrangierter Song, der verzweifelte Vocals, lärmende Effekte und ein massives Doom‑Riff vereint. Hier zeigt sich die Fähigkeit der Band, aus Chaos eine bedrückende Struktur zu formen.

 

Das Finale Perdition Fatal verzichtet auf das permanente Feedback und setzt stattdessen auf solide, schwere Riffs, die das Album mit einem Gefühl von endloser Grausamkeit beschließen. Zusammen ergibt sich ein Werk, das nicht auf Variation, sondern auf Verdichtung setzt – ein Abstieg in eine Welt aus Feedback, Finsternis und existenzieller Qual. Die Vocals von Ch. Wallstein – zwischen rohem Snarl und verzweifelter Narration – verstärken die bedrückende Atmosphäre, während die Gitarren von A. Först und die rhythmische Basis den Sound in Richtung klassischer Doom‑Töne verschieben. Die Produktion ist bewusst noisig, roh und ungeschliffen, ein Klangbild, das Trauma und Verfall hörbar macht.

 

Fazit: II Bleak ist kein einfaches Album. Vast Pyre haben ihre Vision radikalisiert und ein Werk geschaffen, das Feedback, Sludge und Doom zu einem höllischen, niederdrückenden Ganzen verschmilzt. Es ist eine Herausforderung für die Ungeduldigen, aber ein Geschenk für jene, die Doom als existenzielles Erlebnis verstehen. Ein Album voller Trauma, Verzweiflung und bedrückender Persönlichkeit – ein moderat hoher Pflichtkauf für alle, die den Abgrund suchen.


26.11.2025 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

Facebook - Instagram - Email