WALK IN DARKNESS – Gods Don’t Take Calls
ARTIST: Walk in Darkness
TITLE: Gods Don’t Take Calls
RELEASE DATE: 12. Dezember 2025
GENRE: Gothic Metal / Symphonic Metal
LOCATION: Italien
RUNNING TIME: ca. 45 Minuten
RATING: 8/10
Walk in Darkness gehören seit Jahren zu den geheimnisvollsten Erscheinungen der europäischen Gothic‑ und Symphonic‑Metal‑Szene. Während die Musiker hinter Masken und Pseudonymen verborgen bleiben, steht eine Person im Zentrum: Nicoletta Rosellini, deren Stimme längst zu einem Markenzeichen geworden ist. Seit 2015 formt Gitarrist und Songwriter Shaman das ästhetische und konzeptionelle Fundament der Band – ein Universum aus Symbolik, Philosophie und düsterer Poesie, das sich über fünf Alben hinweg immer weiter verdichtet hat. Gods Don’t Take Calls setzt diese Entwicklung konsequent fort. Die Band bleibt ihrem Stil treu, erweitert ihn aber um eine noch stärkere symphonische Komponente und eine deutlich cineastischere Dramaturgie. Schon der Opener Nico Rising zeigt, wie Walk in Darkness ihre Klangwelt weiter verfeinert haben: epische Streicher, schwere Gitarren, ein kraftvolles Solo – und Rosellini, deren Stimme zwischen Klarheit und dunklem Timbre changiert.
Across the Oceans schlägt leisere Töne an, getragen von einem eingängigen Refrain, der sich sofort festsetzt. Mit No Banners No Glory öffnet sich das Album in Richtung dramatischer Kontraste: tiefe Growls treffen auf den warmen, cineastischen Gesang von Clara Sorace. Die Kombination wirkt wie ein Dialog zwischen Licht und Schatten, getragen von Shamans melodischem Feingefühl. Auch Chasing the Horizon lebt von dieser Dualität. Emiliano Pasquinelli steuert harsche Growls bei, die Rosellinis klare Linien scharf umrahmen. Das Gitarrensolo gehört zu den stärksten Momenten des Albums – ein Ausbruch, der die emotionale Wucht des Songs noch verstärkt. Mit Freedom folgt eine große Hymne, deren Duett‑Struktur dem Stück zusätzliche Tiefe verleiht. Mother hingegen ist eine ruhige, fast zerbrechliche Ballade, in der Rosellini ihre sanfteste Seite zeigt. Towards Chang’an bleibt ebenfalls im ruhigen Spektrum, bevor You Who Dream das Tempo wieder anzieht und das vertraute „Beauty and the Beast“-Wechselspiel zurückbringt. Der Bonus‑Track Last Siren (Revisited) rundet das Album ab – eine rockigere, druckvollere Neuinterpretation des Songs vom Debüt In the Shadows of Things.
Fazit: Gods Don’t Take Calls zeigt Walk in Darkness in einer Form, die gleichermaßen vertraut wie weiterentwickelt wirkt. Die Band bleibt ihren dunklen, atmosphärischen Wurzeln treu, setzt aber stärker auf orchestrale Breite und emotionale Dramaturgie. Nicoletta Rosellini bleibt das strahlende Zentrum dieses Projekts, doch das abwechslungsreiche Songwriting und die dichte Produktion heben das Album klar über seinen Vorgänger. Ein reifes, stimmungsvolles Werk – und ein weiterer Baustein im mystischen Kosmos dieser außergewöhnlichen Band.
