WICKED LEATHER - Season Of The Witch
ARTIST: Wicked Leather
TITLE: Season of the Witch
LABEL: Lost Realm Records
RELEASE DATE: 30. Januar 2026
GENRE: Traditional Heavy Metal / Occult Heavy Metal
ORIGIN: Spanien
RATING: 8/10
Mit Season of the Witch legen Wicked Leather ihr Debütalbum vor – und es ist sofort klar, dass die Katalanen nicht in die Kategorie „glatt, modern, überproduziert“ fallen. Stattdessen liefern sie ein Werk, das tief in der Tradition des klassischen Heavy Metal verwurzelt ist, aber mit einer dunklen, okkulten Note und einer spürbaren Unruhe im Songwriting arbeitet. Die Band setzt auf kantige Riffs, eine raue Atmosphäre und eine vokale Performance, die sich bewusst gegen gängige Schönklang‑Erwartungen stellt. Der Titeltrack Season of the Witch eröffnet das Album mit einem klaren Statement: schnelle Gitarren, ein treibender Rhythmus und Vocals, die zwischen Aggression und ritueller Schärfe pendeln. Yamila Martins’ Stimme ist das markanteste Element des Albums – nasal, bissig, eigenwillig und dadurch sofort wiedererkennbar. Sie verleiht dem Material eine okkulte, leicht verstörende Aura, die perfekt zur thematischen Ausrichtung passt.
She is the Storm bleibt im hohen Tempo und verbindet melodische Leads mit einem aggressiven Grundton. Die Gitarrenarbeit ist präzise, aber nie steril; die Riffs wirken nervös, angespannt und voller Energie. Crystal Lake bringt eine leicht düstere, fast horrorhafte Stimmung ins Album, ohne in reinen Speed Metal abzurutschen. Night Hunter ist einer der stärksten Tracks: ein klassisches Heavy‑Metal‑Gerüst, getragen von einem Riff, das sofort hängen bleibt, und einer Gesangsleistung, die zwischen erzählerischer Schärfe und wütender Attacke wechselt. Black Goat Rising verstärkt den okkulten Charakter des Albums – düster, treibend, mit einem Refrain, der sich tief in die Atmosphäre des Albums einfügt. Midnight Creature bringt eine leicht rockigere Note ins Spiel, bleibt aber im Kern heavy und dunkel. Lightning Strike ist der direkteste Song des Albums: schnell, riffbetont, mit einem klaren Fokus auf Energie und Drive.
Der Abschluss Masquerade of Shadows bündelt die Stärken des Albums: melodische Gitarren, ein düsterer Unterton, ein treibender Rhythmus und Vocals, die das gesamte Spektrum zwischen Aggression und okkulter Theatralik abdecken. Der Track wirkt wie ein Finale, das die Atmosphäre des Albums noch einmal verdichtet. Die Produktion ist roh, aber klar genug, um die Gitarrenarbeit und die Vocals sauber zu tragen. Die Drums sind druckvoll, der Bass ist präsent, und die Gitarren stehen weit im Mix, ohne überladen zu wirken. Die Band setzt bewusst auf eine organische, leicht ungeschliffene Ästhetik, die perfekt zum Stil passt.
Fazit: Season of the Witch ist ein starkes Debüt, das Wicked Leather als eine der interessantesten neuen Bands im traditionellen Heavy‑Metal‑Untergrund positioniert. Acht Songs, die zwischen Speed, Okkult‑Atmosphäre, klassischem Riffing und einer markanten, eigenständigen Vocal‑Performance pendeln. Kein Album für Hörer, die polierten Hochglanz‑Metal suchen – aber ein Volltreffer für alle, die kantigen, düsteren, authentischen Heavy Metal schätzen.
