WILDHUNT - Aletheia
ARTIST: Wildhunt
TITLE: Aletheia
LABEL: Jawbreaker Records
RELEASE DATE: 2. Januar 2026
GENRE: Progressive Thrash / Heavy Metal
ORIGIN: Österreich
RATING: 7/10
Nach zehn Jahren melden sich Wildhunt mit Aletheia zurück – einem Album, das hörbar gereift ist, aber auch deutlich ambitionierter ausfällt als der Vorgänger Descending. Die Österreicher bewegen sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen Thrash‑Riffing, klassischem Heavy Metal und progressiven Strukturen. Das Ergebnis ist ein technisch starkes, atmosphärisch dichtes Werk, das allerdings auch Geduld verlangt. Der Opener Touching the Ground ist ein kurzes, atmosphärisches Instrumental, das als Einstieg funktioniert, aber musikalisch wenig Mehrwert bietet. Erst The Holy Pale eröffnet das Album wirklich: ein fast siebenminütiger Track, der Thrash‑Schärfe, melodische Leads und einen klaren Heavy‑Metal‑Gesang verbindet. Wolfgang Elwitschgers Vocals sind kraftvoll, sauber und tragen viel zur Identität des Albums bei. Made Man wirkt kompakter und direkter, bleibt aber durch lange instrumentale Passagen stark im Prog‑Bereich verankert. Die Gitarrenarbeit ist technisch sauber, die Riffs sind kantig, aber die Struktur wirkt stellenweise überladen. Kanashibari ist ein weiteres kurzes Interlude – atmosphärisch, aber verzichtbar. Mit In Frozen Dreams erreicht das Album seinen ersten echten Höhepunkt. Der Track verbindet melodische Gitarren, komplexe Riffmuster und eine starke Gesangslinie. Die Drums sind präzise und treiben den Song gut voran.
Hier zeigt sich, wie gut Wildhunt funktionieren, wenn sie ihre progressiven Elemente kontrolliert einsetzen. Der Titeltrack Aletheia ist einer der eingängigsten Songs des Albums. Ein akustisches Intro, ein hymnischer Refrain und eine klare melodische Führung machen ihn zu einem der zugänglichsten Stücke. Die Mischung aus Heavy‑Metal‑Hymnik und thrashigem Unterbau funktioniert hier besonders gut. Der Abschluss Sole Voyage ist mit über elf Minuten der längste Track und gleichzeitig der ambitionierteste. Der Song bewegt sich durch verschiedene Stimmungen, Riff‑Landschaften und atmosphärische Abschnitte. Das epische letzte Drittel überzeugt, doch insgesamt wirkt der Track etwas zu ausgedehnt und verliert zwischendurch an Fokus. Die Produktion ist klar, druckvoll und warm. Die Gitarren stehen sauber im Raum, der Bass ist präsent, und die Drums sind präzise ohne steril zu wirken. Das Album klingt professionell und detailverliebt, ohne überproduziert zu sein.
Fazit: Aletheia ist ein technisch starkes, atmosphärisch dichtes und ambitioniertes Album, das Wildhunt als gereifte Band zeigt. Die Mischung aus Thrash‑Riffing, Heavy‑Metal‑Melodik und progressiven Strukturen funktioniert über weite Strecken gut, verlangt aber Aufmerksamkeit und Geduld. Die stärksten Momente liegen in den melodischeren, klar strukturierten Songs – dort entfaltet die Band ihr volles Potenzial. Ein solides, mutiges Werk, das Fans von Paradox, Heathen oder frühen Metallica ansprechen dürfte.
