WITCH - The Hex Is On... And Then Some

 

ARTIST: Witch

TITLE: The Hex Is On… And Then Some

LABEL: Lost Realm Records

RELEASE DATE: 30. Januar 2026

GENRE: 80s Heavy Metal / Hard Rock / L.A. Underground FORMAT: 2CD / LP

RATING: 7/10


Mit The Hex Is On… And Then Some veröffentlicht Lost Realm Records eine umfassende Werkschau einer Band, die in den 80ern in Südkalifornien für Chaos, Pyro, Blut und Skandale stand – aber nie den Sprung über die Clubszene hinaus schaffte. Witch waren ein Produkt ihrer Zeit: laut, wild, unberechenbar, mit einer Mischung aus Judas‑Priest‑Riffing, Mötley‑Crüe‑Theatralik und einer Attitüde, die mehr Aufmerksamkeit erzeugte als das Songwriting selbst. Die Compilation sammelt das komplette Studiomaterial von 1984 bis 1989 sowie die späteren GOD‑BOX‑Sessions von 1996. Damit entsteht ein vollständiges Bild einer Band, die live deutlich größer war als auf Platte – und deren Geschichte oft spannender ist als die Musik selbst.

 

CD1 – Die klassischen Witch‑Jahre (1984–1989)

Der erste Silberling enthält die ursprüngliche EP The Hex Is On, die 12"-Single Nobody Sleeps und diverse Demos. Musikalisch bewegt sich das Material im typischen L.A.-Metal der frühen 80er: einfache Riffs, viel Reverb, Mid‑Range‑Vocals und ein Sound, der eher nach Proberaum als nach Studio klingt.

 

Highlights:

Nervous Wreck – klassischer 80s‑Opener, simpel, aber mit Drive.

Cinderella (In Black Leather) – der härteste und bissigste Track der frühen Phase.

Damnation – atmosphärischer Einstieg, danach melodischer Midtempo‑Metal.

 

Der Rest ist solide, aber wenig eigenständig. Witch waren härter als viele Glam‑Acts, aber nicht stark genug, um sich gegen die aufkommende Thrash‑Welle durchzusetzen. Die Songs funktionieren als Zeitkapsel, aber nicht als zeitlose Klassiker.

 

CD2 – GOD BOX Sessions & Demos (1996)

Die zweite CD ist interessanter: Die GOD‑BOX‑Aufnahmen zeigen eine gereiftere Band mit besserem Songwriting, klarerer Produktion und modernerem Ansatz. Die Musik bewegt sich zwischen Hard Rock, klassischem Metal und leichtem 90er‑Touch.

 

Highlights:

Nothing Lasts Forever – überraschend stark, melodisch und gut strukturiert.

Crazy – solide Hard‑Rock‑Nummer mit mehr Tiefgang als das frühe Material.

Conviction – der beste Track der Bonus‑Disc, mit klarer Handschrift und guter Dynamik.

 

Diese Songs zeigen, dass Witch durchaus Potenzial hatten – nur kam es zu spät, zu unkoordiniert und ohne Label‑Support.

 

Produktion & Präsentation

Die frühen Aufnahmen sind roh, lo‑fi und stark von Reverb geprägt. Das passt zur Ära, wirkt aber im direkten Vergleich mit anderen 80s‑Acts eher dünn. Die GOD‑BOX‑Sessions klingen deutlich besser und zeigen, wie viel professioneller die Band hätte wirken können. Die Compilation selbst ist sauber kuratiert, vollständig und historisch wertvoll. Für Sammler und 80s‑Fanatiker ist das Release ein Muss. Für alle anderen bleibt es ein Blick in eine Szene, die mehr durch Legenden als durch Plattenverkäufe definiert wurde.

 

Fazit

The Hex Is On… And Then Some ist weniger ein musikalisches Meisterwerk als ein historisches Dokument. Witch waren eine Band, deren Ruf auf Chaos, Live‑Exzess und Szene‑Mythos beruhte – und deren Studio‑Output genau das widerspiegelt: roh, laut, ungeschliffen, aber mit Charme. Die GOD‑BOX‑Tracks retten die Compilation und zeigen, was möglich gewesen wäre. Für Fans von Twisted Sister, frühen Lizzy Borden, Y&T oder obskurem L.A.-Metal ist dieses Release ein spannender Fund. Für alle anderen bleibt es ein nostalgischer Blick in eine Zeit, in der Pyro, Blut und Attitüde wichtiger waren als Perfektion.


03.01.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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