Linkin Park – From Zero World Tour:

75.000 Fans feiern das Comeback in der Allianz Arena [11.06.2026]




München, Allianz Arena, 11. Juni 2026

Es ist eines der größten Konzertereignisse des Sommers: Linkin Park spielen zwei Abende in der Allianz Arena, die wegen der Umbauarbeiten am Olympiastadion als Ersatzspielstätte für die großen Stadionshows herhält – und an diesem Donnerstagabend strömen rund 75.000 Menschen durch die Esplanade Richtung Süd-Eingang. Trotz kursierender Gerüchte über Resttickets ist die Show ausverkauft, und das Bild vor dem Stadion erinnert eher an einen Fußball-Spieltag als an ein klassisches Konzert: lange Schlangen an den Merchandise-Ständen, Karten statt Bargeld an jedem Stand, und überall das charakteristische Logo der "From Zero"-Ära. Wer früh ankommt, hat Zeit, sich durch das umfangreiche Merchandise-Angebot zu wühlen. Das München-Edition-Tourshirt für 45 Euro bewegt sich preislich im für Stadionshows üblichen Rahmen – und ist, man muss es so sagen, im Vergleich zu anderen aktuellen Stadion-Acts noch eher moderat. Auch bei Getränken hält sich Linkin Park zurück: Wasser und Cola im offiziellen Linkin-Park-Becher (in verschiedenen Designs erhältlich) kosten 6,50 Euro inklusive Pfand – für ein Konzert dieser Größenordnung ein faires Angebot. Ein Großteil der 75.000 Besucher ist noch auf dem Weg zum Einlass oder steht in den Schlangen vor den Toren, als die Support-Acts spielen. Die Vorfreude auf den Hauptact ist spürbar – das ist kein normales Konzert, das ist ein Comeback-Event.

 




Um 21 Uhr ist es dann soweit. Die Bühne der "From Zero World Tour" ist als reduzierte, aber massive Konstruktion angelegt – zwei schräge, aufgeklappte LED-Wände dominieren den Hintergrund, darauf ein gewaltiges Lichtgerüst mit Reihen von LED-Elementen, die während der gesamten Show mitarbeiten und die Stimmung der einzelnen Songs visuell unterstreichen. Der komplette Hintergrund ist Bildschirm, intensiv leuchtend in Blau-, Rot- und Grüntönen. Statt auf überladene Videowände setzt die Produktion auf intensive Beleuchtung, Nebel und Laser, die sich mit jedem Songwechsel neu konfigurieren. Nach dem "UNSHATTER"-Trailer und einem kurzen Paramore-Cover ("Misery Business") als Einstimmung beginnt Akt I mit "Inception Intro B" – einer Intro-Version mit Elementen aus "Iridescent" – bevor "Lying From You" das Set offiziell eröffnet. Der Song stammt aus "Meteora" (2003), Linkin Parks zweitem Album, das auf Platz 1 der Billboard 200 debütierte und in den USA 8-fach Platin wurde.

 

"Lying From You" war nie eine Single, aber im Live-Kontext einer der Klassiker, die Fans seit zwanzig Jahren erwarten. "Crawling" folgt als zweiter Song – und das ist ein Moment, den die Menge sofort übernimmt. "Crawling" ist das Herzstück von "Meteora", wurde zum Millionen-Stream-Hit und ist einer jener Songs, die eine ganze Generation durch ihre Teenagerjahre begleitet haben. Dass Emily Armstrong diesen Song singt, ist für viele Fans immer noch ein Moment der Anpassung – doch hier, in München, übernimmt das Publikum großzügig den Refrain und trägt den Song mit sich. Zum dritten Song "Up From the Bottom" wechselt die Band die Instrumente: Emily auf einer roten Fender Stratocaster, Mike an den Keys.

 

 




 "Up From the Bottom" ist eine der neuen Songs aus "From Zero" (2024), Linkin Parks achtem Studioalbum – ein bewusster Wechsel zwischen den frühen Klassikern und dem aktuellen Material, der zeigt: Diese Band steht zu beiden Eras. "New Divide" (mit kurzem Moscow-Intro) folgt – ein Song aus dem Album "Minutes to Midnight" (2007), das mit der gleichnamigen Single zum Soundtrack des "Transformers"-Films einen weiteren Millionen-Hit landete.  "The Emptiness Machine" – die Lead-Single aus "From Zero" – schließt den ersten Akt ab und zeigt, dass die neuen Songs sich nahtlos zwischen den Klassikern einreihen. Die Band signalisiert damit: Wir sind nicht hier, um nur Nostalgie zu verkaufen. Wir sind hier, um zu sagen, dass wir weitermachen. Akt II eröffnet mit "Creation Intro B" und geht direkt in eine verkürzte Version von "The Catalyst" über.

 

"Burn It Down" und "Stained" folgen, bevor mit "Where'd You Go" das Fort-Minor-Cover (in verkürzter Form mit Intro, erstem Vers und finalem Refrain) eingebaut wird – ein Detail, das zeigt, wie viel Sorgfalt in den Übergängen dieser Show steckt. "Waiting for the End" mit erweitertem Intro und dem neuen 2024er-Synth-Element, gefolgt von "With You", "Two Faced" (mit Joe-Intro und erweiterter Bridge) und "The Hahndalorian" – einem erweiterten Joe-Hahn-Solo gemeinsam mit Touring-Mitglied Colin Brittain – bilden das technische Herzstück des Abends. "Empty Spaces" und das Mike-Shinoda-Solo "When They Come for Me / Remember the Name" mit Step-Up- und Lift-Off-Elementen sowie Emily Armstrong am Schlagzeug für "Remember the Name" runden den zweiten Akt mit einem der ungewöhnlichsten Momente des Abends ab. "Unshatter" und "One Step Closer" (mit dem 2024er-Scratching-Intro und erweitertem Outro) schließen Akt II.




Der dritte Akt beginnt mit "Break/Collapse" und führt direkt in den emotionalen Mittelpunkt des Abends: "Lost", in einer verkürzten Klavierversion, gespielt von Mike Shinoda und Emily Armstrong gemeinsam. "Lost" ist ein Song, dessen Geschichte Fans noch immer fasziniert: Die Aufnahme stammt aus den Sessions für "Meteora" (2003), wurde aber damals nicht veröffentlicht. Erst 2023, im Zuge der Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum des Albums, wurde "Lost" plötzlich freigegeben – und landete sofort auf Platz 1 der Alternative- und Rock-Radio-Charts. Dass die Band diesen Song jetzt live spielt, ist für viele Fans ein Moment der Überraschung und Dankbarkeit: Das ist kein Hit, das ist ein Schatz aus der Vergangenheit, den die Band mit der Gegenwart teilt. Es ist einer jener Momente, in denen sich das gesamte Stadion für einen Augenblick zurücknimmt. "Breaking the Habit", "Good Things Go" und "What I've Done" folgen – drei Songs, die zeigen, wie geschickt die Setlist zwischen ruhigeren und intensiveren Momenten wechselt.

 

Mit "Kintsugi" beginnt Akt IV, der emotionalste Abschnitt des Sets. "Overflow" mit erweitertem Synth-Intro inklusive "Pushing Me Away"-Elementen und "Over Each Other" führen direkt in den finalen Block: "Numb" mit dem charakteristischen "Numb/Encore"-Intro, "In the End" und schließlich "Faint" mit erweitertem Outro – drei der bekanntesten Songs der Band als geschlossener Block, der das Stadion ein letztes Mal vollständig mitnimmt. Im Encore folgt "Resolution Intro B" (wieder mit "Iridescent"-Elementen), bevor "Papercut" mit dem 2024er-Intro, "Heavy Is the Crown" als Statement der neuen Ära und "Bleed It Out" – mit erweiterter Bridge inklusive einem Verse aus "A Place for My Head" und ausgedehntem Outro – den Hauptteil des Abends beschließen. Den Schlusspunkt setzt die Abspielung von "Pass the Mic" der Beastie Boys – ein Song, der dem Abend einen versöhnlichen, fast schon ausgelassenen Ausklang verleiht.




Insgesamt 41 Programmpunkte (inklusive Intros und Zwischenelementen), über zwei Stunden Spielzeit und ein Set, das konsequent zwischen den verschiedenen Schaffensphasen der Band springt – die "From Zero World Tour" zeigt sich in München als technisch ausgefeilte, emotional durchdachte Produktion. Konfettiregen bei einem der großen Refrains, eine Lichtshow, die mit jedem Songwechsel ihre Sprache ändert, und ein Publikum, das bei den großen Hymnen lautstark mitsingt – die 75.000 Fans in der Allianz Arena haben einen Abend erlebt, der zwischen Nostalgie und Neuanfang einen schwierigen Spagat schafft. Für viele Fans, die die Band seit Jahren oder Jahrzehnten begleiten, ist dieser Abend mehr als nur ein Konzert: Es ist die Bestätigung, dass Linkin Park – mit Emily Armstrong an Mike Shinodas Seite – wieder ein fester Bestandteil der Live-Landschaft sind. Die Setlist nimmt Rücksicht auf beide Lager: die treuen Anhänger der frühen 2000er und jene, die sich für "From Zero" begeistern. Mit "Crawling", "Numb", "In the End" und "Faint" als geschlossenem Schlussblock bleibt am Ende kein Zweifel, wofür diese Band steht.




12.06.2026 veröffentlicht von: Thomas M. © Metal-Division Magazine

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