Rock im Park 2026 – Sonntag, 7. Juni: Der Abschluss, der bleibt

Nürnberg, Zeppelinfeld

Drei Tage, drei Nächte, ein Zeppelinfeld das nicht schläft. Der Sonntag von Rock im Park 2026 hat den schwierigsten Job: Er muss ein Wochenende abschließen, das bereits so viel geboten hat, dass die Latte unmöglich hoch liegt. Müde Beine, leere Becher, die Sonne der letzten Festivalnachmittage – und trotzdem füllen sich die Areale wieder, als wäre es Freitag. Was dieser Tag richtig macht: Er kombiniert technische Exzellenz, schiere Energie, bewusste Verwirrung und emotionale Wucht – in dieser Reihenfolge.


Within Temptation – Mandora Stage | 18:10 Uhr

Sharon den Adel und Within Temptation sind auf dem Zeppelinfeld kein Fremdkörper – sie gehören zu den Bands, die das Festival seit Jahren mit einer eigenen Art von Theatralik bereichern. Symphonischer Metal auf einem Freilichtgelände ist eine Gleichung, die aufgeht: Die breite Klangpalette der Niederländer trägt weit über das Gelände, und Sharon's Stimme – nach über zwei Jahrzehnten noch immer eine der stärksten in ihrer Szene – meistert die akustischen Herausforderungen eines Open-Air-Auftritts mit der Leichtigkeit einer Band, die weiß, was sie kann. "Sinéad", "Faster", "Somewhere" und der monumentale "Ice Queen" bilden ein Set, das sowohl für die langjährigen Fans als auch für jene funktioniert, die Within Temptation hier das erste Mal live erleben. Wenn die Streicher-Arrangements über das Zeppelinfeld wabern und den Sonnenuntergang vertonen, ist das einer dieser Momente, die man sich merkt.

 

Trivium – Mandora Stage | 19:40 Uhr

Trivium kommen als eine der härtesten Arbeiterinnen des modernen Metal – und zeigen auf der Mandora Stage, warum dieser Ruf absolut verdient ist. Matt Heafy und seine Mitstreiter eröffnen nach dem Tape-Intro "The End of Everything" mit "Pull Harder on the Strings of Your Martyr" – einem Song, der sofort klarstellt, dass hier nicht geplaudert wird. Das Riff trifft, der Pit öffnet sich, und von diesem Moment an lässt Trivium nicht mehr locker. Die Setlist spannt einen Bogen durch das gesamte Bandschaffen: vom Ascendancy-Stampfer "A Gunshot to the Head of Trepidation" über "The Sin and the Sentence" bis zu den atmosphärischen, melodieverliebten "Silence in the Snow" und "Until the World Goes Cold", die zeigen, dass Trivium nie nur eine Dimension hatten. "Strife" ist live immer ein Kraftakt, "Down From the Sky" ein Monument an Effizienz, und "Throes of Perdition" zählt zur schwersten Kost des Sets – im besten Sinne. "Catastrophist" und "The Heart From Your Hate" aus The Sin and the Sentence beweisen, dass das Album nach Jahren noch nichts von seiner Schlagkraft verloren hat. "In Waves" schließt das Set ab – ein Stampfer, der den Mandora-Bereich von vorne bis hinten mitnimmt. Trivium spielen einen Set, der keine Schwächen hat und keinen Moment Luft lässt.


Papa Roach – Utopia Stage | 19:30 Uhr

Papa Roach sind eine Band, die man nie ganz abschreibt – und die einem das auf der Bühne mit Nachdruck vorführt. Jacoby Shaddix ist als Frontmann ein Naturereignis: er redet, er schreit, er springt, er zieht die Menge buchstäblich in den Bann. "Last Resort" – der Song, der Papa Roach unsterblich gemacht hat und den sie seit zwanzig Jahren spielen – funktioniert auf der Utopia Stage wie immer: komplett, lückenlos, mit jedem Wort mitgesungen. Aber Papa Roach sind mehr als ein Klassiker-Archiv. Neuere Songs wie "Born for Greatness" und "Elevate" zeigen, dass die Band sich konsequent weiterentwickelt hat, ohne ihre Kernkompetenz zu verleugnen. Shaddix hat in über zwei Jahrzehnten Bühnenerfahrung eine Unmittelbarkeit entwickelt, die kaum zu imitieren ist – er macht das Publikum zu Komplizen, nicht zu Zuschauern. Das Ergebnis ist ein Set, das von der ersten bis zur letzten Minute brennt.

 

BABYMETAL – Mandora Stage | 21:30 Uhr

Es gibt nichts Vergleichbares. BABYMETAL sind seit ihrer Gründung das faszinierendste Experiment in der Geschichte des Heavy Metal – und auf der Mandora Stage beweisen sie einmal mehr, dass das kein Gimmick ist, sondern eine der konsequentesten Kunstformen im modernen Rock. Die Kombination aus J-Pop-Melodien, thrashenden Gitarren, einer Choreografie, die an militärische Präzision grenzt, und einer Bühnenshow, die optisch an ein Großproduktion erinnert, ist live noch eindringlicher als jede Studioaufnahme ahnen lässt. Su-Metal's Vocals sind auf dem Zeppelinfeld deutlich zu hören, klar, stark und präzise; Moa-Metal liefert Energie ohne Unterlass. Die Kami Band – die anonymen, maskierten Musiker hinter der Front – spielen auf einem Niveau, das jeden Metal-Puristen zum Innehalten bringt. "Gimme Chocolate!!" und "KARATE" sind zu Festivalklassikern geworden, "Road of Resistance" ist live ein kollektiver Ausbruch, und die neueren Songs zeigen, dass BABYMETAL sich musikalisch weiterentwickelt haben, ohne ihre DNA zu verleugnen. Die Lichtshow, die Kostüme, das gesamte visuelle Konzept – BABYMETAL sind kein Konzert, sie sind eine Inszenierung. Und eine verdammt gute. Wer kopfschüttelnd vorbeigegangen ist, steht zehn Minuten später mit offenem Mund da und weiß nicht genau, warum er immer noch steht. Das ist BABYMETAL.


Linkin Park – Utopia Stage | 21:30 Uhr

Der Abend endet mit einem Auftritt, der über das Musikjournalistische hinausgeht und ins Emotionale kippt. Linkin Park im Jahr 2026, mit Emily Armstrong an der Seite von Mike Shinoda, auf der größten Bühne des Festivals – das ist kein normales Konzert, das ist ein Statement, ein Neubeginn, eine Verarbeitung. Die "From Zero World Tour" hat von Anfang an polarisiert: Fans, die die Band in ihrer neuen Form feiern, und solche, die mit dem Gepäck der Vergangenheit hier stehen. Das Zeppelinfeld spiegelt diese gespaltene Gefühlslage, und doch ist es voll – rückhaltlos voll. Das in drei Akte gegliederte Set ist eine Konstruktion mit Absicht: Akt I beginnt nach einem Film-Intro und dem atmosphärischen "Inception Intro A" mit "Lying From You" und "Crawling" – zwei Meteora-Klassiker, die die ersten Reihen sofort in kollektive Gesänge verwandeln. "Up From the Bottom" und "The Emptiness Machine" aus dem aktuellen Album "From Zero" zeigen, dass die neue Linkin Park keinen Schritt zurückgeht. "Points of Authority" schließt Akt I mit voller Energie ab. Akt II trägt mit "The Catalyst", "Burn It Down", und dem atmosphärisch erweiterten "Waiting for the End" die emotionale Last des Abends. "Two Faced" mit Joe Hahn's erweitertem Intro und "From the Inside" mit verlängertem Einstieg zeigen, wie viel Detailarbeit in dieser Live-Produktion steckt. "Casualty" und "One Step Closer" – letzterer mit dem Original-Scratching-Intro und erweitertem Outro – bringen den zweiten Ausbruch. Akt III beginnt mit der größten Stille des Abends: Mike Shinoda und Emily Armstrong spielen "Lost" auf dem Klavier – ein Moment, der das Zeppelinfeld verstummen lässt. Tausende Menschen, kein Lärm, nur zwei Stimmen und ein Klavier. "Breaking the Habit" mit Piano-Intro trägt das weiter, bevor "Overflow" mit Depeche-Mode-Referenz, "What I've Done", "Numb" (mit Numb/Encore-Intro), "In the End" und "Faint" als Welle über das Gelände rollen – jeder Song ein weiterer Beweis, dass dieser Katalog zeitlos ist, egal wie man zur aktuellen Besetzung steht. m Encore: "Papercut" mit dem aktualisierten 2024-Intro, "Heavy Is the Crown" als bekräftigendes Statement der neuen Ära, und "Bleed It Out" mit erweiterter Bridge und einem Outro, das das Zeppelinfeld eine letzte Mal vollständig in Beschlag nimmt. Es ist kein einfacher Abend. Aber er ist einer, der bleibt.


Weitere Highlights des Tages

Mehnersmoos eröffnen den Tag auf der Utopia Stage mit ihrer unverwechselbaren Art und bescheren dem Festivalgelände einen heiteren Einstieg. Bush und The Hives legen auf derselben Bühne nach – letztere erwartungsgemäß jeden Quadratmeter der Stage und jeden Quadratzentimeter der Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchend. Architects liefern einen der stärksten Sets des Tages für die Metalcore-Fraktion und beweisen, dass die Band trotz aller Besetzungswechsel nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Auf der Mandora Stage überzeugen Loathe, We Came as Romans und Mastodon – letztere mit einem der technisch anspruchsvollsten und gleichzeitig zugänglichsten Sets des gesamten Wochenendes. Auf der Orbit Stage sorgen Don Broco mit quirliger Energie, Malevolence mit rohem Druck und Danko Jones mit kanonischem Hard Rock für Energie bis in den späten Abend.

 

Fazit – Rock im Park 2026

Dreißig Jahre Rock im Park, und das Festival wirkt frischer denn je. Drei Tage, die unterschiedlicher kaum hätten sein können: Der rebellische Auftakt mit The Pretty Reckless, Electric Callboy's Eurodance-Metal und Volbeat's dänischer Headliner-Ruhe. Der theatralische Samstag zwischen Bloodywood's globalem Spektakel, Iron Maiden's Feuersturm und Sabaton's Mitternachtsparty. Und ein Sonntag, der mit Trivium und Papa Roach Energie liefert, mit BABYMETAL verwirrt und fasziniert, und mit Linkin Park emotional unter die Haut geht. Das Zeppelinfeld hat sich einmal mehr bewiesen – als Ort, an dem Musik mehr ist als Unterhaltung.

Bis nächstes Jahr, Nürnberg.

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Rock im Park 2026 | Zeppelinfeld, Nürnberg | 5.–7. Juni 2026


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